Namen & Neues
Ein Radstreifen für die Hauptstraße
Veröffentlicht am 30.01.2018 von Judith Langowski
Verkehrssenatorin Regine Günther kündigte an, nach dem Tod der Radfahrerin am Kaiser-Wilhelm-Platz schnell zu handeln: Der bisherige, in die Autospur eingebaute 1,2 Meter schmale Radstreifen soll, wie von der BVV schon im Juli 2017 beschlossen, auf zwei Meter verbreitert und rot gestrichen werden. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, betonte die Bedeutung einer Pflicht für Lastwagen, elektronische Abbiegeassistenten einzubauen, der „in diesem Fall wohl auch geholfen hätte.“
Doch für die Ehrenamtlichen des Netzwerks Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg ist damit nicht genug für die Sicherheit der Radfahrer gesorgt. „Die Hauptstraße ist für Radfahrer und den ÖPNV ein Graus“, sagt Sprecher Jens Blume. Das Netzwerk fordert daher für die B1 zwischen Kurfürstenstraße im Norden und Dominicusstraße im Süden einen durchgehenden, mit Pollern abgesicherten Radstreifen, grün markiert. Für Buslinien wäre die mittlere Spur reserviert und die verbleibende Spur, bei Tempo 30, für den restlichen Verkehr. Mit einem ähnlichen Plan für Fahrradwege auf der B96 (Tempelhofer Damm) hatte sich das Netzwerk im April 2017 gegründet.
Der Vorschlag für die Hauptstraße, der in einem anschaulichen GIF darstellt, wie sich die Hauptstraße verändern würde, macht in den sozialen Medien seit dieser Woche groß die Runde. Auch in unserer Facebook-Gruppe wurde heiß diskutiert. Die Kommentatoren zeigen aber Bedenken zum Plan: Die Busspur sei schon jetzt zugeparkt. Der Lieferverkehr würde eingeschränkt. Ersteres ist Sache des Ordnungsamtes, doch wurden 2016 berlinweit weniger als 900 Falschparker abgeschleppt. Für den Lieferverkehr hat Blume Lösungen parat: „Man könnte den Lieferverkehr auf bestimmte Uhrzeiten beschränken und die Busspur zu diesen Zeiten freigeben“, schlägt Blume vor. Für den Tempelhofer Damm sieht das Netzwerk beispielsweise vor, an Kreuzungen in Nebenstraßen Lieferzonen einzurichten, von wo aus Geschäfte beliefert werden können.
Für ihren Vorschlag zwischen Kurfürsten- und Dominicusstraße müsse „kein Bordstein bewegt werden“, heißt es in der Mitteilung des Netzwerks, nur die Spuren müssen ummarkiert bzw. Poller aufgestellt werden. Daher fordert das Netzwerk eine Umsetzung der Forderungen bis Ende des Jahres. Blume und seine Mitstreiter sind im Gespräch mit Ordnungsstadträtin Christiane Heiß und Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und hoffen, dass sich der Druck über die verantwortlichen Politikerinnen im Bezirk auf den Senat überträgt. Denn für sogenannte „protected bike lanes“, also mit Pollern vom restlichen Verkehr geschützte Radstreifen auf den Bundesstraßen ist die Senatsverwaltung zuständig.
Heiß nennt den Zeitplan des Netzwerks „ambitioniert“, auch wenn sie „viel Sympathie für die Forderungen“ hat. Aktuell werde vom Senat die Reduzierung der Stickstoffdioxid-Belastung auf der Hauptstraße und Potsdamer Straße geprüft, unter anderem durch Einrichtung einer Tempo-30-Zone und besseren Busverkehr. Der Bezirk bereite gerade die gezielte und systematische Überprüfung der Busspuren vor, damit der ÖPNV-Verkehr „verstetigt“ werden könne. 2018 soll dafür weiteres Personal aufgenommen werden. Zudem soll die Koordination mit der BVG und der Polizei verbessert und „interne Ressourcen mobilisiert werden“. Die Einrichtung einer gesicherten Radspur soll zunächst auf dem Tempelhofer Damm getestet werden, besonders wie sie sich mit dem Geschäfts- und Lieferverkehr sowie Buslinien vereinbaren lasse. Doch auch dort kann mit Bauarbeiten in diesem Jahr nicht mehr gerechnet werden, so Heiß.
Für das Netzwerk sei es jetzt am Wichtigsten, herauszufinden, warum es so lange gedauert hat, den Radstreifen an der Kolonnenstraße/Hauptstraße sicherer zu gestalten, sagt Blume. Das Netzwerk möchte durch politische Aktionen, Anfragen im Abgeordnetenhaus und Einwohneranfragen in der BVV weiter Druck für ihre Forderungen auf Bezirk und Senat ausüben.