Namen & Neues

Spritzenfunde

Veröffentlicht am 13.03.2018 von Judith Langowski

Der Drogenkonsum sei bekannt, schrieb Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) dem Tagesspiegel, nachdem die Eltern der Nachbarschaftsinitiative „Clean Kiez“ mehrere benutzte Spritzen auf dem Spielplatz an der Merseburger Straße 11 gefunden hatten. Die Strecke der U7 gilt als „längste Drogenmeile Berlins“, im Umfeld der meisten U-Bahnhöfen ist die „Szene“ unterwegs, so auch an der Eisenacher Straße. Auch die Schulkinder der Barbarossa-Grundschule seien betroffen, so Schöttler, wenn sie durch die Unterführung des U-Bahnhofs zum Hort gehen. Am U-Bahnhof Bayerischer Platz wiederum, berichtet eine Leserin von Müll in einer Telefonzelle, der auf Drogenkonsum schließen lässt. Das ist nichts Neues. Der Leserin ist bewusst, dass die Lösung des Problems schwierig ist, dennoch appelliert sie an den Bezirk und möchte nicht, dass „die Dinge so laufen“ gelassen werden.

Was kann der Bezirk tun? Schöttler sagt, man würde „alles Mögliche unternehmen“, um „die Gefahr in den Griff zu bekommen“. Eine kurzfristige Lösung gebe es aber nicht, so die Bürgermeisterin weiter. Die Putzfirma, die vom Grünflächenamt für die Ordnung auf dem Spielplatz beauftragt wurde, wisse Bescheid. Schon letztes Jahr wurden Büsche herunter geschnitten oder entfernt, „um den Konsum zu reduzieren“. Mit der Barbarossa-Grundschule ist ein runder Tisch angedacht, um mit allen Akteur*innen nach Lösungen zu suchen. Auch die Initiative Clean Kiez plant einen runden Tisch mit Politiker*innen, Gewerbetreibenden, der Polizei und der Drogenprävention, um sich Lösungen zu überlegen. Die Eltern wünschen sich die Expertise des Bezirks und der Drogenprävention um dem Problem zu begegnen und Lösungen wie beispielsweise die Einrichtung einer Fixerstube zu diskutieren.

Expertise in dem Thema hat Peter Pulm, Leiter des Quartiersmanagements Schöneberger Norden. Dort, rund um den U-Bahnhof Yorckstraße, werden schon seit April 2017 Gespräche mit den Anwohner*innen und Akteur*innen, wie der Polizei, Drogenprävention und Sicherheitsdiensten der BVG und Deutschen Bahn geführt, um dem Drogenmissbrauch am U-Bahnhof und in der Umgebung zu begegnen. Seitdem habe sich die Situation „auf jeden Fall geändert“. „Für die Bewohner ist es aber noch nicht zufriedenstellend“, so Pulm. Die Ursache liege nicht im Quartier, schließlich reisen viele nur an, um zu kaufen oder zu konsumieren. Also könne der Bezirk und das Quartiersmanagement auch nur die Symptome bekämpfen. Vermutlich habe aber die stärkere polizeiliche Kontrolle am U-Bahnhof Yorckstraße dazu geführt, dass sich die Szene weiter Richtung Akazienkiez und U-Bahnhof Eisenacher Straße verlagert hat.

Die Zeit drängt, um Lösungen zu finden, denn sobald es wärmer wird, ist der Spielplatz wieder wichtiger für Eltern und Kinder im Akazienkiez. Mittlerweile habe sie „ein Auge dafür entwickelt“, Spritzen und Pfännchen im Sand zu finden, sagt eine Mutter der Nachbarschaftsinitiative, die darauf achtet, dass die Kinder nicht im Gebüsch spielen. Letzten Sommer sei es dagegen „ganz normal“ gewesen, dass sie Kinder barfuß auf den Spielplatz spielten.

„Clean Kiez“ ruft am Sonntag, 18. März, um 14 Uhr zum gemeinsamen Aufräumen auf. Treffpunkt: Spielplatz Merseburger Straße 11. Dort soll auch über den geplanten Runden Tisch diskutiert werden. Mehr Infos

Und wenn Sie sich selber ein Bild vom Bayerischen Platz machen wollen, laufen Sie doch mit bei Angelika Schöttlers „Kiezspaziergang“, am Samstag, 17. März, von 14 bis 16 Uhr. Treffpunkt gegenüber dem Haupteingang zum U-Bahnhof. Mehr Infos

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