Namen & Neues
Kein Durchkommen
Veröffentlicht am 20.03.2018 von Sigrid Kneist
Bald ist es auch soweit, dass der Bahnübergang Säntisstraße gesperrt wird. Dort wird eine Unterführung der Straße unter den Bahngleisen gebaut, da alle Bahnübergänge der Dresdner Bahn nach und nach durch Brücken oder Unterführungen ersetzt werden. Für die Fußgänger wurde dort jetzt eine Brücke gebaut, sie soll am 29. März eröffnet werden. Nur: Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt und beispielsweise auf einen Rollstuhl angewiesen sind, haben davon leider nichts. Die Brücke ist für sie nicht zu benutzen, sie ist nicht barrierefrei.
Weite Umwege. Gerade die, die es am schwersten haben, können nicht auf direktem Wege an ihr Ziel gelangen. Die Bahn empfiehlt schlicht, den Übergang an der Buckower Chaussee zu benutzen. Nur ist dieser nicht so leicht zu erreichen, auch wenn er nur ungefähr 300 Meter Luftlinie entfernt ist. Aber auf den Straßen kommen da einige Kilometer zusammen. Die Entscheidung gegen eine barrierefreie Brücke begründet die Bahn folgendermaßen: „Grundlage der Entscheidung der Genehmigungsbehörde für eine nicht barrierefreie Ausführung der Brücke sind unter anderem das zu erwartende geringe Aufkommen von mobilitätseingeschränkten Nutzern im Verhältnis zu den entstehenden Kosten für den Bau und die Instandhaltung einer barrierefreien Brücke.“ Das klingt schon ein wenig zynisch in Zeiten, wo sich alle die Inklusion auf die Fahnen schreiben wollen.
Protest. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Florian Graf, ist deswegen reichlich erbost: „So kann man mit den Menschen dort nicht umspringen.“ Er wandte sich in einem Schreiben an Bahn-Vorstand Richard Lutz und nannte die Fußgängerbrücke nicht akzeptabel, zumal es sich ja auch nicht nur um ein kurzfristiges Projekt handle. Er forderte, umgehend eine Lösung zu finden, die möglichst allen Betroffenen die Möglichkeit gibt, in den kommenden Jahren die Bahntrasse zu überqueren. Das Projekt „Dresdner Bahn“ beschäftige die Menschen dort bereits seit vielen Jahren, schrieb Graf, der direkt gewählter Wahlkreisabgeordneter für Mariendorf, Marienfelde/Lichtenrade-Nord ist: „Es wäre ein fatales Zeichen, wenn die Deutsche Bahn AG die auf den Übergang der Bahntrasse angewiesenen Anwohnerinnen und Anwohner auf die erheblich umständlicheren Umwege verweisen würde.“ Eine Antwort der Bahn hat Graf noch nicht bekommen. Auf Antrag der CDU-Fraktion steht das Thema am Mittwoch auch auf der Tagesordnung der BVV. Infos der Bahn zum Großprojekt Dresdner Bahn finden Sie hier.