Namen & Neues

Vier Jahre leer: Gewobag-Haus in der Bülowstraße

Veröffentlicht am 29.05.2018 von Judith Langowski

Letzte Woche wurden neun leerstehende Häuser in Berlin besetzt, um auf den Notstand auf dem Berliner Mietmarkt hinzuweisen. Auch am Geisterhaus in Friedenau, das seit 20 Jahren leersteht, hingen einen Tag lang Transparente der Aktivist*innen. Aber ist die Not wirklich am Leerstand festzumachen? Das war früher vielleicht eine Erklärung für mangelnden Neubau, doch heutzutage stünden nur 1,6 Prozent der Wohnungen leer, beziffert der Verband der Wohnungsunternehmen BBU und das sei die minimale „Fluktuationsreserve“. Auch die Stadt und Land, dessen leerstehendes Haus in der Borsndorfer Straße in Neukölln besetzt wurde, schließt spekulativen Leerstand, den die #besetzen-Aktivist*innen vermuten, aus. Das ist aber alles nur Spekulation: Wie schwer es ist, konkrete Zahlen zum berlinweiten Leerstand zu finden, schreibt mein Kollege Thomas Loy hier.

Dass Sanierungspläne allerdings sehr viel länger dauern können als geplant und sich auch städtische Wohnungsbauunternehmen dem Vorwurf stellen müssen, Wohnraum lange leer stehen zu lassen, zeigt ein Beispiel aus unserem Bezirk: Das Haus in der Bülowstraße 7 ist mittlerweile vielen für seine bunten Fassaden und das Graffiti-Museum „Urban Nation“ im Erdgeschoss und 1. OG bekannt, ein Projekt der gemeinnützigen Stiftung der Gewobag „Berliner Leben“. Zwölf Wohnungen im 2. bis 4. Stock jedoch stehen seit mittlerweile fast vier Jahren leer. Aus Sanierungsgründen mussten die Mietparteien 2014 ausziehen, damals fand die Gewobag, der das Haus gehört, für alle Ersatzwohnungen. Zunächst hieß es, die Sanierungsarbeiten seien 2015 abgeschlossen, doch das Unternehmen beantragte eine Verlängerung bis Dezember 2017. Die Anfrage im Abgeordnetenhaus stellte damals Katrin Lompscher (Linke), heute Bausenatorin.

Und heute? Stehen die Stockwerke zwei bis vier noch immer leer. Auf eine aktuelle Anfrage des Linken-Abgeordneten Harald Gindra antwortet die Gewobag: „Die Sanierungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen.“ Die Frage, ob Atelierwohnungen eingerichtet worden sind, wird umschifft: Die „Wohnungen stehen leer und werden nach Abschluss der Sanierungsarbeiten vermietet“.

Gewobag und Berliner Leben sind auch in einem anderen kulturellen Projekt im Kiez involviert. Denn die Stiftung und das Wohnungsbauunternehmen entwickeln aktuell ein Konzept für die Bülowstraße 90. In einer Etage sollen hier die Jugendclubs Potse und Drugstore einziehen, deren Mietvertrag in der Potsdamer Straße Ende des Jahres ausläuft. Doch diese Räume reichen nicht, besonders nicht für die Punkkonzerte, für die die Clubs so berühmt sind. Ein weiteres Gebäude im gleichen Kiez ist schon in der engeren Auswahl für die Veranstaltungen der Clubs, so die Bezirksverordnete Marijke Hoeppner (SPD). Langfristig ist ein „Haus der Jugend“ geplant, in dem verschiedene Angebote für Kinder und Jugendliche stattfinden können.

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