Namen & Neues

Ein ziemlich lauter Platz: Was beim "Innsi" falsch läuft

Veröffentlicht am 11.09.2018 von Judith Langowski

Der Platz ist laut. Über uns die S-, unter uns die U-, neben uns die Autobahn. Den Platz kann man kaum als solchen erkennen: Durchkreuzt von Straßen ist er nicht nur für Fußgänger und Radfahrer gefährlich. Der Innsbrucker Platz hat eine der höchsten Raten an Blechschäden in Berlin. Dabei gibt es ein paar Orte, die die Nachbarschaft zum Verweilen einladen sollten. Aber die bleiben ungenutzt, zu laut, zu unsicher.

Unter der S-Bahnbrücke beginnen wir unsere Tour mit Marijke Höppner (SPD). Zwar steht hier eine Reihe Laternen, aber „die bringen nicht genug Licht“, sagt Höppner. Der Platz wird täglich von vielen Menschen genutzt, hier ist die Bushaltestelle und der Zugang zur U-Bahn. Höppner plädiert dafür, dass die Lichtverhältnisse verbessert werden. Das ist nur ein Punkt, der das „subjektive Angstgefühl“ der Nutzer*innen verringern kann. Beim Landeskriminalamt gibt es eine Spezialistin, Ingrid Hermannsdörfer, die für die städtebauliche Kriminalprävention zuständig ist. Am Innsbrucker Platz ist sie auch gewesen, hat festgestellt, unter welchem Gebüsch besonders gut Drogen versteckt werden können, welche Ecken zu dunkel sind und an welchen Sitzbänken Taschendiebe am einfachsten an ihre Beute kommen.

Das Gebüsch kann besser beschnitten und die Beleuchtung ausgebessert werden. Aber der Lärm bleibt. Das sieht man an dem Plätzchen an der Eisackstraße, am südlichen Ende des Innsbrucker Platzes. Spatzen baden sich im Steinbrunnen – einmal war dieser Park als Erholungszone gedacht. Auf der linken Seite ist ein Spielplatz, die Spielgeräte erstaunen durch ihre Sauberkeit. „Fast ungenutzt“, merkt Höppner an. Auf der rechten ein Weg entlang einer Pergola, darunter Sitzbänke. Auch hier drehen sich nur zwei Obdachlose eine Zigarette.

Die Menschen ruhen sich nur dort aus, wo auch Ruhe herrscht. Das ist bei der jetzigen Aufteilung des Platzes mit Autobahnzufahrt schwierig zu realisieren. Es gebe noch eine andere Idee, sagt Höppner: Eine Randbebauung entlang der S-Bahnbrücke, wodurch die Grünflächen und Pergola im Hinterhof der Neubauten verschwinden würden. Nach vorne hin der U-Bahn-Trubel, hinten ruhiger Hinterhof? Die S-Bahn rauscht weiter über unseren Köpfen hinweg, die Autos brettern vorbei, wir müssen unser Gespräch immer wieder unterbrechen. „Mit Lärmschutz lässt sich heute schon viel machen“, sagt Höppner hoffnungsvoll. Doch die Idee würde den Platz wieder vor der Öffentlichkeit wegnehmen -und existiert bisher nur innerhalb der SPD. Bis der „Innsi“ zu einem lebbaren Ort wird, dauert es noch.

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