Namen & Neues

Auszeichnung für Schöneberger Pflegeheim

Veröffentlicht am 13.11.2018 von Sigrid Kneist

Viele alte homosexuelle Menschen haben in ihrem Leben über Jahre hinweg viele Formen der Ausgrenzung, der Diskriminierung, der Kriminalisierung erfahren. Man denke nur an den Paragrafen 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte und erst 1994 endgültig aus dem Strafgesetzbuch gestrichen wurde.

Auch im Alter ist deswegen ihr Queersein für manche von ihnen immer noch keine Selbstverständlichkeit, die sie offen leben können, da sie weiterhin Diskriminierung und Ausgrenzung fürchten. Deswegen muss Pflege besonders sensibel sein. Vorbildlich geschieht das im  Immanuel Seniorenzentrum Schönebergs. Es ist bundesweit das erste Pflegeheim, das jetzt das Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ erhält. Dieses wurde von der Schwulenberatung Berlin im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter dem Motto „Jede Liebe – jeder Körper – gut gepflegt“ entwickelt. Es soll eine Qualifizierungsoffensive für die Pflege von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (kurz LSBTI*) fördern und Pflegeeinrichtungen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt öffnen.

In Deutschland leben nach Schätzungen des niedersächsischen Sozialministeriums 1,8 Millionen queere Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Gleichzeitig haben 97 Prozent der stationären Pflegeeinrichtungen keine Qualitätsstandards für den Umgang damit. Oft wissen sie nicht einmal, dass auch in ihren Heimen Menschen leben, die zu dieser Gruppe gehören.

„Die Selbstbestimmung unserer Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren individuellen Wünschen und Gewohnheiten steht im Mittelpunkt unserer Arbeit, egal, welche sexuelle oder geschlechtliche Identität sie haben“, sagt Ralf Schäfer, Leiter des Schöneberger Seniorenzentrums.