Namen & Neues

Hier wird gebaut

Veröffentlicht am 12.02.2019 von Sigrid Kneist

In der Stadt wird es enger, Brachen verschwinden, es wird verdichtet. An vielen Orten entstehen neue Wohnquartiere. Auch in der Innenstadt. Kaum etwas wird dringender gebraucht als neue Wohnungen. Oft regt sich Protest, sobald Pläne bekannt werden. Das ist Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) nicht fremd. Auch bei den Plänen für die Neue Mitte Tempelhof beispielsweise gibt es Bedenken der Anwohner. Dort sollen in den kommenden zehn Jahren nicht nur ein neues Polizeigebäude, ein Kulturzentrum mit Bibliothek und ein neues Schwimmbad entstehen, sondern ab 2026 auch ein neues Wohnquartier mit 500 Wohnungen.

Damit solche Pläne auf Akzeptanz stoßen, nennt Oltmann „Transparenz das oberste Gebot“. Die Beteiligung der Bürger sei ausgesprochen wichtig. Allerdings dürfe man ihnen auch nichts vorgaukeln. Über das Vorhaben, etwa in Tempelhof die dringend benötigten Wohnungen zu bauen, könne man keine neue Diskussion starten. Es habe etliche Bürgerversammlungen gegeben; und diese werde es auch weiter geben.

Derzeit vergeht auch keine BVV, in der sich nicht ein oder mehrere Anwohner des Mühlenbergs, eines Quartiers in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathauses Schöneberg zu Wort melden. In der dortigen Siedlung sollen 120 bis 130 Wohnungen entstehen – in zwei zwölfgeschossigen und einem achtgeschossigen Gebäude. „Wir brauchen dort dringend bezahlbaren Wohnraum“, sagt Oltmann. „Wir müssen uns vor allem um die Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen kümmern.“ Das Bebauungsplanverfahren soll 2020 abgeschlossen sein.

Eins der größten Wohnungsbauprojekte ist die Friedenauer Höhe. Unweit des Innsbrucker Platzes am ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf sollen 1500 Wohnungen gebaut werden. Ein großes Projekt ist auch die Schöneberger Linse, direkt am Bahnhof Südkreuz, wo insgesamt 1700 Wohnungen geplant sind. Neben Wohnungen soll hier ein gemischtes Quartier entstehen. Vattenfall baut dort seine Deutschland-Zentrale. Die BSR plant einen Hotelturm und einen Verwaltungsbau, in den voraussichtlich auch die Zentrale der Stadtreinigung einziehen könnte. Und das Unternehmen Hines will 660 Mikroapartments mit vielen Gemeinschaftsflächen schaffen. In der Bessemerstraße beim Schöneberger Südgelände sollen 400 Wohnungen gebaut werden. Im neuen Quartier Yorckstraße/Bautzener Straße sind die ersten Wohnungen inzwischen bezogen. Wann dort allerdings die berühmt-berüchtigte Brücke Nummer fünf endlich als Rad- und Fußgängerweg über die Yorckstraße genutzt werden kann, steht noch in den Sternen.

Auch ganz im Süden, Richtung Stadtrand, rund um die Alte Mälzerei in Lichtenrade, die zu einem Kulturzentrum mit Bibliothek ausgebaut werden soll, ist ein neues Stadtquartier mit 180 Wohnheinheiten geplant. Oltmann gerät darüber richtig ins Schwärmen. Angrenzend entstehen 220 Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften. Allerdings weiß auch der Baustadtrat, dass die nächsten Jahre für die Lichtenrader richtig hart sein werden. Zum einen wegen der Bauarbeiten für die Dresdner Bahn, zum anderen wird die Bahnhofstraße, die zentrale Einkaufsstraße des Stadtteils, ausgebaut.

Viel steht in Mariendorf an. Hugos Wohngärten ist ein großes Vorhaben an der Britzer Straße in Mariendorf, dort werden 400 Wohnungen entstehen. Am ehemaligen Güterbahnhof an der Röblingstraße/Attilastraße soll nach Oltmanns Vorstellungen ein integriertes Quartier entwickelt werden, mit Wohnungsbau und Gewerbe. „Das ist ein richtig dicker Klopper“, sagt Oltmann. Das Quartier biete viele Möglichkeiten für ökologischen Bau und intelligente Verkehrsplanung, die die Aspekte des Mobilitätsgesetzes berücksichtigen könne. Es sei ideal für kleines und mittleres Gewerbe. Auch etwas weiter südöstlich an der Reißeckstraße sollen auf drei Baufeldern Wohnungen gebaut werden; wobei ein kleiner Teil der Friedhofsfläche benötigt wird, aber keiner, der schon für Gräber genutzt war.

Der Marienpark, wo sich vor drei Jahren die amerikanische Craft-Beer-Brauerei Stone Brewing angesiedelt hat, wird jedoch reines Gewerbeareal bleiben. Oltmann geht davon aus, dass sich das Gesicht Mariendorfs durch all diese Planungen enorm ändern wird.

Und was ist mit dem Tempelhofer Feld? Oltmann ist der Auffassung, dass hier ohne eine erneute Befragung der Bürger gar nichts geht. Die Grünen im Bezirk hätten sich seinerzeit stark gemacht für eine behutsame Randbebauung entlang dem Tempelhofer Damm, die sich deutlich von den damaligen Plänen der SPD unterschieden habe. Eigentlich sei er inhaltlich immer noch dafür. „Man muss die Bevölkerung ernst nehmen“, sagt Oltmann. Man könne nicht einige Jahre nach einem Volksentscheid sagen, dass diese Entscheidung verjährt sei. Er ist sich sicher, dass die Wohnungsnot in der Stadt noch eine Weile anhalten werde. „Wenn wir im Wahlkampf sind, wird die Debatte an Fahrt gewinnen. Die SPD wird es dann sicherlich aufs Tableau heben.“

Wichtig ist Oltmann, dass mehr getan wird für bezahlbaren Wohnraum. Die bisherigen Förderungen seien nicht ausreichend. Sie müssten erhöht werden, genauso müsse man darüber nachdenken, ob die 6,50-Euro-Schwelle für WBS-Wohnungen nicht fallen müsse. Gerade Genossenschaften könnten sich das nicht leisten, wenn sie bei Bauvorhaben 30 Prozent dieser Wohnungen anbieten müssen.

Anzeige