Namen & Neues
Rot-grüner Streit um Bäume
Veröffentlicht am 09.04.2019 von Sigrid Kneist
In der rot-grünen Zählgemeinschaft gibt’s derzeit einen Kampf um die Bäume. Die Grünen wollen die Platanen An der Urania erhalten, während die SPD dafür ist, bis zu acht Bäume zu fällen, um dem dort stehenden Kunstwerk des französischen Bildhauers Bernar Venet mehr Geltung zu verschaffen. Und auf der anderen Seite kritisieren die Sozialdemokraten den Kettensägeneinsatz des Bezirksamts unter anderem in Tempelhofer und Mariendorfer Parks stark.
In diesem Jahr wurden seitens des Bezirksamts bereits 102 Bäume gefällt, deutlich mehr als in den Vorjahren. Seit 2017 sind es insgesamt 165 Bäume. Die für Grünflächen zuständige Stadträtin Christiane Heiß (Grüne) begründet dies in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage des SPD-Bezirksverordneten Lars Rauchfuß, der wissen wollte, wie viele gesunde Bäume gefällt wurden, mit einer Zunahme der Bautätigkeit. Allein im Volkspark Mariendorf forderte die Denkmalschutzbehörde, im Rahmen der Sanierungsarbeiten des Blümelteichs 34 Bäume zu fällen. Das wurde auch umgesetzt. In Mitteilungen über anstehende Fällungen war zuvor aber nur die Rede von 13 Bäumen, die weichen müssten.
Und auch im Franckepark fielen etliche Bäume; der Park wird ebenso wie die drei anderen Tempelhofer Parks umfangreich saniert. Die Frage, ob dort Bäume gefällt wurden, um historische Sichtachsen herzustellen, verneinte die Stadträtin. Allerdings wurde genau dies bei einer öffentlichen Begehung im Januar vom beauftragten Planungsbüro mitgeteilt. Darüber habe ich damals berichtet.
Rauchfuß reichen die Antworten der Stadträtin nicht aus. In der BVV will er in einer mündlichen Anfrage nachhaken: Er will wissen, wie viele „gesunde Bäume aus anderen als dem Naturschutz dienenden Gründen gefällt wurden“, wie viele Ersatzpflanzungen es gegeben hat und warum in Mariendorf viel mehr Bäume gefällt wurden als angekündigt.