Namen & Neues

Die Bäume, die Kunst und die Straße

Veröffentlicht am 20.08.2019 von Sigrid Kneist

Die Bäume, die Kunst und die Straße. Es war das Aufregerthema der Bezirksverordneten in Berlin-Schöneberg im vergangenen Winter und Frühling. Sollen die Platanen auf dem Mittelstreifen An der Urania weichen, damit der große Stahlbogen des französischen Künstlers Bernar Venet besser sichtbar wird? 1987 ein Geschenk Frankreichs zur 750-Jahr-Feier Berlins. Die Bezirksverordnetenversammlung fand ja – gegen die Stimmen von Grünen und Linken. Bei den Baumfäll-Befürwortern war viel die Rede von der deutsch-französischen Freundschaft, in die Diskussion eingebunden waren auch die Senatskanzlei, der Künstler und die französische Botschaft. Bis zu sieben Platanen und eine Linde könnten gefällt werden, so beschlossen es die Bezirksverordneten.

Da der Beschluss Ende Februar gefasst wurde, hatten die Bäume ohnehin eine Schonfrist. In der Zeit zwischen März und Ende September dürfen sie aus Naturschutzgründen nicht gefällt werden. Aber man kann sicher sein, dass im nahenden Herbst das Thema wieder aufkommt und weiter emotionsgeladen diskutiert wird. Deswegen habe ich schon jetzt nach dem Stand der Dinge gefragt. Die fürs Stadtgrün zuständige Stadträtin Christiane Heiß (Grüne), eine Gegnerin des Abholzens, hat sich unterdessen an den Künstler gewandt, von ihm direkt aber keine Antwort erhalten.

Sie hält nach wie vor daran fest, dass Venets Angebot, als Ausgleich für gefällte Bäume Neupflanzungen zu zahlen, rechtswidrig sei. Dies hat auch ein Gutachten des bezirklichen Rechtsamts ergeben. Demzufolge darf Sponsoring nie damit zusammenhängen, dass eine bestimmte andere Leistung des Bezirksamtes erbracht wird – in diesem Fall also die Abholzung der Bäume. Außerdem wandte sich Heiß an die Senatsbau- sowie die Senatsumweltverwaltung. Beide Häuser lehnen eine Fällung ab und halten es für notwendig, für das Gebiet An der Urania ohnehin erst einmal einen städtebaulichen Wettbewerb zu veranstalten. Gegenüber der Morgenpost bezeichnete Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) den Bereich als „einen komplett unwirtlichen Ort“. Kurioserweise gebe es dort eine Kontroverse, „ob man die Platanen abhacken sollte, damit das Kunstwerk besser zu sehen ist.“, sagte Günther: „Aber stören wirklich die Bäume das Kunstwerk? Oder sind es nicht eher die Autos, die da außen herum vorbeirasen?“ – Text: Sigrid Kneist Foto: Mike Wolff
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Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg entnommen. Den – kompletten – Bezirksnewsletter, den wir Ihnen kompakt einmal pro Woche schicken, gibt es unkompliziert und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de.

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