Namen & Neues

Beteiligung erwünscht? Werkstattverfahren zur "Neuen Mitte" beginnt

Veröffentlicht am 29.10.2019 von Judith Langowski

Beteiligung erwünscht? Werkstattverfahren zur „Neuen Mitte“ beginnt. Viel soll gebaut werden in der „Neuen Mitte Tempelhof“ in Berlin. Viel haben wir schon drüber berichtet (hier, hier und hier). In einer „Rochade“ sollen mehrere öffentliche Einrichtungen Plätze tauschen und neu entstehen: das Stadtbad, die Polizei und die Bibliothek. An der Götzstraße sind rund 500 Wohnungen geplant – Kleingärtner und Pfadfinder protestierten gegen die Pläne. Die Parklandschaft um Francke- und Grunackpark soll erneuert werden und für bessere Mobilität sollen mehr Fahrradstellplätze, Radwege und eine Quartiersgarage entstehen. Rund um das Rathaus ist ein Stadtquartier geplant mit „Kultur- und Bildungshaus“, „viel Raum für zeitgemäße Angebote“, ein Stadtplatz zwischen Park und Tempelhofer Damm. Mehr dazu auf diesem Übersichtsplan.

Im Vorfeld zu dem Projekt hat es schon zwischen 2016 und 2018 vorbereitende Untersuchungen gegeben, dreimal wurde die Öffentlichkeit hinzugezogen. Ein konkretes Konzept dafür, wie genau das Neue Stadtquartier aussehen wird, gibt es aber noch nicht.

Das soll nun möglichst gemeinsam in einem Werkstattverfahren erarbeitet werden. In einer Pressemitteilung der Senatsverwaltung beschrieb Baustadtrat Jörn Oltmann (B’90/Grüne) die Neue Mitte als zukünftigen „Identitätsort für Tempelhof“. Deshalb sei es wichtig „die bisherigen und zukünftigen Hinweise der Bevölkerung im städtebaulichen Entwurf zu berücksichtigen“.

Am Donnerstag startete der erste Schritt zu diesem Konzept mit einem öffentlichen Abend. Im ehemaligen Flughafen Tempelhof wurden das Verfahren und die Aufgabenstellung der kommenden Monate vorgestellt, Gäste konnten Anregungen und Hinweise einbringen. Organisiert wird es von dem Hamburger Stadtplanungsbüro Luchterhandt, welches unter anderem auch das Verfahren zum Neubau der Zentral- und Landesbibliothek am Halleschen Ufer konzipiert. Eine Leserin kritisierte die Standortwahl. Gerade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sei der Weg (2,5 Kilometer) von der tatsächlichen Neuen Mitte Tempelhof zum Flughafen doch weit.

Leider kam bis Redaktionsschluss keine Rückmeldung von Baustadtrat Oltmann zu diesem Kritikpunkt. Das Planungsbüro Luchterhandt leitete die Anfrage an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiter, die ebenfalls bisher nicht reagierte.

Der Plan ist, dass vier Teams parallel Entwürfe für das zehn Hektar große Kerngebiet der „Neuen Mitte“ entwickeln. Dabei wird die Öffentlichkeit regelmäßig zur Diskussion aufgefordert: Wie soll das Wohnquartier aussehen? Wie hoch werden die Gebäude? Wie wird der neue Stadtplatz gestaltet? Wie sollen Verkehr und Vernetzung funktionieren? Wie kann die Kleingartenanlage eingebunden werden?

Nach der Auftaktveranstaltung vergangene Woche gibt es im Dezember und Februar noch zwei öffentliche Werkstätten, in denen Entwürfe diskutiert und vorgestellt werden. Im März 2020 werden die Entwürfe intern Sachverständigen und externen Berater*innen vorgestellt und von diesen geprüft. Im Juni findet schließlich die öffentliche Vorstellung der Entwürfe statt – ein internes Beratungsgremium wählt einen der vier als „favorisierten Entwurf“ aus. Den gesamten Ablauf finden Sie hier, unter „Verfahrensschema“: berlin.de/neue-mitte-tempelhof.

Der Freundeskreis der Stadtbibliothek setzt sich übrigens dafür ein, dass ein Gebäude für diese am Tempelhofer Damm entsteht. Dazu findet am Mittwoch, 30. Oktober, ein Workshop statt zum Thema „Was bieten familienfreundliche Bibliotheken in anderen Bezirken, Städten und Ländern? Was ist wünschenswert für Tempelhof?“. Wer mitdiskutieren möchte, ist eingeladen, in die Götzstraße 8-12 zu kommen, Start ist um 19.30 Uhr. Infos – Text: Judith Langowski
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