Namen & Neues

Shakespeare-Spielort muss wegen Bauarbeiten weichen

Veröffentlicht am 14.01.2020 von Sigrid Kneist

Die Aufführungen der Berliner Shakespeare-Company sind im Sommer stets der kulturelle Höhepunkt auf dem Schöneberger Südgelände. An einem lauen Abend in der einzigartigen Parkkulisse von Natur und Industriedenkmal auf den zum Rund angeordneten Zuschauerbänken zu sitzen und den „Kaufmann von Venedig“, „Verlorene Liebesmüh“ oder „Was Ihr wollt“ zu sehen, ist fast schon ein „Sommernachtstraum“. In diesem Jahr werden die beliebten Aufführungen noch an diesem Ort stattfinden. Ab 2021 müssen sie aber – vorübergehend? – weichen. Die angrenzende Lokhalle wird saniert.

Wohin mit Shakespeare? Das ist die Frage. Sowohl Grüne und Linke haben jetzt einen Antrag in die BVV eingebracht mit der Aufforderung an das Bezirksamt, die Company bei der Suche nach einem geeigneten Spielort zu unterstützen. Die Schauspieltruppe hat ihr Problem auch bereits im Kulturausschuss der BVV vorgetragen.

Wie geht’s weiter? Die landeseigene Gesellschaft Grün Berlin, zu der der Naturpark Schöneberger Südgelände gehört, geht davon aus, dass die Bauarbeiten rund zwei Jahre dauern werden. Man sei in Gesprächen mit der Shakespeare Company, um Alternativen zu prüfen. Da weite Teile des Südgeländes als Natur- und Landschaftsschutzgebiet festgesetzt sind, seien die Möglichkeiten jedoch sehr begrenzt: Die müsse zudem die Oberste Naturschutzbehörde, die Senatsumweltverwaltung, genehmigen. „Wir wissen also noch nicht, wo wir hin können und haben für die Zeit danach zwar mündliche Willenserklärungen, aber bisher leider keine belastbaren schriftlichen Zusagen“, sagt Stefan Plepp von der Shakespeare Company.

Das Theater, das ohne öffentliche Zuschüsse arbeite, habe bereits im letzten Jahr und auch in diesem Jahr Teile des Budgets eingefroren, „um uns wenigstens minimal auf die bevorstehende Zeit, auf den bevorstehenden Umzug (wohin auch immer) oder – im schlimmsten Fall – auf das Einmotten/Einlagern unseres Theaters vorzubereiten“, so Plepp. Die unklare Perspektive stelle für die Kompanie „natürlich eine existentielle Bedrohung dar“.

Zusammenarbeit seit 2011. Grundsätzlich ist Grün Berlin sehr interessiert, „die seit 2011 bestehende Zusammenarbeit mit der Shakespeare Company fortzusetzen“, wie die Gesellschaft mir mitteilte. Eine konkrete Aussage, wie dies auch nach Fertigstellung der Lokhalle möglich sei, könne jedoch erst getroffen werden, wenn alle Planungen abgeschlossen seien.

Was gibt’s im Bezirk? Wie Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) sagt, stehen nach ihrer Kenntnis bezirkseigene Immobilien/Gelände nicht zur Verfügung. Sie habe bei der Tempelhof-Projekt-Gesellschaft nachgefragt, die den ehemaligen Flughafen Tempelhof betreibt und entwickelt. „Leider hat sich zum Ende der letzten Woche herausgestellt, dass auf dem Gelände dort wegen diverser Sanierungsbedarfe keine Möglichkeit besteht, die Gruppe unterzubringen“, sagt Kaddatz. Auch in der Kultur sei der Kampf um Räume und Grundstücke groß. „Wöchentlich erhalte ich auch von anderen Trägern aus Kunst und Kultur Anfragen, die ich bedauerlicherweise nicht befriedigen kann“, sagt Kaddatz. – Text: Sigrid Kneist

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