Namen & Neues

Missstände in der Siedlung

Veröffentlicht am 11.02.2020 von Sigrid Kneist

Die Missstände einer Berliner Siedlung. Etlichen Mietern in der Großsiedlung Lichtenrade Ost reicht es. Die Siedlung umfasst die Häuser der Groß-Ziethener Straße 64-104, Nahariyastraße 25-45 und Skarbinastraße 78-88. In einem Gebäude mit sieben Stockwerken funktionierte der Aufzug in den vergangenen Jahren immer wieder über lange Zeiträume nicht, in einem anderen sechsstöckigen Haus ist der Fahrstuhl seit Dezember des vergangenen Jahres bis jetzt außer Betrieb. In wiederum einem anderen Hochhaus war im vergangenen Jahr vier Monate lang die Klingelaanlage defekt; es gab in der Siedlung Wasserschäden und die Außenanlagen verkommen. Die Mängelliste, die die Mieter über die letzten Jahre erstellt haben, ist lang. Und die Hausverwaltung sei nur schwer zu erreichen.

Einst ein Projekt der Kirche. Nach Angaben der Initiative, zu der auch Reinhart Kraft, ehemaliger Pfarrer in Lichtenrade, gehört, wurde die Siedlung mit rund 850 Wohnungen vor gut 40 Jahren von der Evangelischen Kirche vor allem für Familien gebaut. Sie habe lange als vorbildliche Siedlung gegolten. 2007 sei sie an die GSW verkauft und danach von verschiedenen Immobilienunternehmen erworben worden. Zurzeit sei sie im Besitz der ADO-Immobilien-Management AG. Zudem gebe es derzeit Gerüchte, dass ein weiterer Eigentümerwechsel bevorsteht.

Petition unterschrieben. Ende November hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Abgeordnetenhaus bei einer Wohnungspolitikdebatte gesagt: „Ich kaufe alles, was nicht niet- und nagelfest ist.“ Die Mieterinitiative will ihn jetzt beim Wort nehmen und hat rund 400 Unterschriften für einen offenen Brief an Müller gesammelt. In diesem wird der Regierende Bürgermeister gebeten, „sich dafür einzusetzen, dass diese Siedlung in die Hand einer städtischen Gesellschaft gelangt“. Die Petition soll ihm am Freitag beim Empfang der SPD-Fraktion Tempelhof-Schöneberg im Rathaus Schöneberg übergeben werden.

Antwort der Verwaltung. Die ADO Immobilien Management GmbH, die die Gebäude seit 2018 verwaltet, kündigte auf meine Anfrage an, dass spätestens im zweiten Quartal Sanierungsarbeiten geplant seien. Die Dächer der Häuser Nahariyastraße 37, 41, 43 und 45 sollen saniert, Fußböden in 26 Eingangsbereichen erneuert, vier Aufzüge modernisiert werden. „Vor allem bedingt durch das Baujahr Anfang der 1970er-Jahre kommt es in der Siedlung um die Nahariyastraße häufiger zu Mängeln als in anderen Siedlungen“, teilt die ADO mit. Durch ein externes Call Centers sei die Verwaltung rund um die Uhr erreichbar. Man sei bemüht, stets umgehend zu reagieren und entsprechende Fachfirmen mit der Beseitigung der Mängel zu beauftragen. Zudem sei ein Mitarbeiter mehrmals wöchentlich in der Siedlung. Ab April soll es regelmäßige Mietersprechstunden in der Siedlung geben.  – Text: Sigrid Kneist

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