Namen & Neues

Der erste Tag der Schulschließung: Ein Protokoll von an der Johanna-Eck-Schule

Veröffentlicht am 17.03.2020 von Sigrid Kneist

Der Leute-Newsletter Tempelhof-Schönberg wird die Tempelhofer Sekundarschule durch die Zeit begleiten, in der sie geschlossen bleiben muss. Denn auch wenn es keinen Unterricht gibt, wird dort vieles erledigt, wird das E-Learning vorbereitet, werden die kommenden Wochen geplant. Dieses Protokoll des ersten Tages hat Verwaltungsleiter Axel Jürs geführt:

6.18 Uhr: Die Schulleitung stimmt mit der Verwaltungsleitung elektronisch die heutige Einsatzzeiten ab.

6.45 Uhr: Die Hausmeisterin schließt die Schule für die heutigen  „Einsatzkräfte“ auf.

7.25 Uhr:  Der Verwaltungsleiter kommt und nimmt Telefonate von Eltern entgegen und beantwortet Fragen zum Home-Learning. Die Antwort steht eigentlich bereits auf dem Infoblatt, das Tochter und Sohn noch in der Schultasche haben.

Bis 8 Uhr: Die Verwaltung sortiert den beeindruckenden Mail-Eingang und leitet E-Mails an die Klassenleitungen weiter, die um klassenspezifische  Antworten nicht verlegen sein werden. Eltern schicken, wie von der Schule angeregt, bisher fehlende oder aktualisierte E-Mail-/Telefonkontakte. Krise als Chance: Wir stellen fest, dass jetzt manches klappt, was sonst erheblich mehr Aufwand braucht.

Ab 9 Uhr: Lehrkräfte, die morgen und übermorgen MSA-Prüfungen abnehmen, bestreiten im Lehrerzimmer telefonische „Schlussberatung“ für Schüler und Schülerinnen, die noch an ihren Präsentationen feilen. Andere sitzen an den PC-Arbeitsplätzen im Kollegiumsbereich und richten Nutzerkonten für Ihre Schüler*innen für die „Lernraum“/Moodle-Plattform ein, die in den kommenden Wochen die Hauptdrehscheibe für Lerninhalte und Hausaufgabeneinsendung sein wird. Andere haben das für den Nachmittag vorgesehen und schicken die ersten Aufgaben per Mail, auch um zu sehen, ob die E-Mail-Adressen, die für die Lernplattform funktionieren müssen, tatsächlich funktionstüchtig und aktuell sind.

11.30 Uhr: Gespräch mit dem Kooperationspartner „Netzwerk-Großbeerenstraße, der einige Schüler*innen ohne „Abruf-Hardware“ für elektronisch bereitgestellte Infos/Inhalte, mit festplattenlosen Notebooks ausstatten wird; außerdem wird die Vereinbarung über die Bereitstellung von Inhalten im „Lernraum“ durch den Kooperationspartner für den berufsbezogenen Wahlpflichtkurs getroffen, damit das Home-Learning noch vielfältiger/interessanter für die Schüler*innen wird.

12.30 Uhr: Die Kinder des Schulleiters, die reihum pädagogisch wertvoll bespaßt wurden, finden, dass es jetzt reicht. Papa soll sie nach Hause bringen…

12.32 Uhr: Die Verwaltung schaut wieder in den E-Maileingang und „freut sich“, dass die Coronaviren offenbar eine bisher wenig diskutierte „Nebenwirkung“ erzeugen, nämlich ein Wucherwachstum der „Kaltakquise“ von Vertriebsorganisationen für Produkte jeder Art: von Lernsoftware, die besonders geeignet für individuelles Lernen zu Hause, vorher aber für den Unterricht empfohlen worden sei, bis zur jetzt unverzichtbaren antibakteriellen Seife. Schade, dass Corona ein Virus und kein Bakterium ist.

12.42 Uhr: Zwei Schüler kommen ins Sekretariat, um schon länger fällige Entschuldigungen abzugeben und sind hochzufrieden über den Eingangsstempel von heute. Wirklich nette Jungs, aber: Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen? Die Lösung ist unspektakulär:  „Wir hatten gewartet, bis jemand rauskommt.“

13.15 Uhr: Laute Musik im Gebäude. Die Schulband klingt heute anders. Kein Wunder, die Schüler sind nicht dabei. Es spielen nur zwei Lehrer.