Namen & Neues

Isolation für Ältere? Das sagt die Seniorenvertretung

Veröffentlicht am 31.03.2020 von Sigrid Kneist

„Es ist wirklich der richtige Zeitpunkt, ältere Menschen in Quarantäne zu nehmen“, hatte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) in der vergangenen Woche im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses gesagt. Das sorgte für einige Aufregung. Auch Kanzleramtsminister Helge Braun hatte gegenüber dem Tagesspiegel gesagt, dass „Ältere und Kranke noch über einen längeren Zeitraum ihre Kontakte“ werden einschränken müssen.

Im Interview mit Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt präzisierte Kalayci ihre Angaben zur Quarantäne für die Über-Siebzigjährigen: „Es geht nicht darum, sie einzusperren, sondern sie zu schützen vor einer tödlichen Krankheit. Wir müssen vermeiden, dass sie unnötig die Wohnung verlassen. Wir müssen Rezepte vom Arzt für sie abholen und für sie einkaufen. In Berlin gibt es viel ehrenamtliches Engagement und viele Hilfsorganisationen. Darauf müssen wir mehr setzen.“

In Tempelhof-Schöneberg zeigt sich die Seniorenvertretung besorgt über die Diskussion. Sie befürchtet, dass ältere Menschen dadurch noch mehr in die Vereinsamung getrieben werden als bisher schon. Natürlich sei es richtig, „schon aus Selbstschutz, aber auch zum Schutz anderer, die sozialen Kontakte zu reduzieren. Daraus eilfertig, unbedacht und pauschal eine soziale Isolation der Älteren und deren Verbannung aus der Öffentlichkeit zu konstruieren, ist dem Problem aber nicht angemessen“, schreibt die Seniorenvertretung.

Und wirft ganz andere Fragen auf: benennt den Pflegenotstand, die unzureichende Versorgung der Beschäftigten in Pflegeheimen mit schützenden Masken und Kitteln. „Eine noch einmal intensivierte Information über das Risiko älterer Menschen und die Einforderung gesellschaftlicher Rücksichtnahme für Ältere würde die Ausbildung lokaler Versorgungsstrukturen und das Bilden sozialer Netze fördern“, schreibt die Seniorenvertretung. Sie stellt auch praktische Fragen: „Was ist mit einem kostenlosen Lieferservice für Ältere oder – unter Präventionsgesichtspunkten – gesonderte Einkaufszeiten für Ältere?“ Mehr dazu lesen Sie hier: seniorenvertretung-tempelhof-schoeneberg.de

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