Namen & Neues

Online-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule: Back to School

Veröffentlicht am 21.04.2020 von Sigrid Kneist

Seit fünf Wochen sind die Berliner Schulen geschlossen; allmählich werden sie Schritt für Schritt wieder geöffnet. Im Online-Tagebuch der Tempelhofer Johanna-Eck-Schule geht es heute darum, wie die Vorbereitungen dafür laufen. Mit Unterstützung von Verwaltungsleiter Axel Jürs dürfen wir Einblick nehmen.

„Diese Woche verstärkt sich die Vorbereitung des „Homecoming“ unserer Schüler*innen, also der sukzessiven Rückkehr der Jahrgänge in den Präsenz-Unterricht:  beginnend mit denen, die noch in diesem Schuljahr Abschlüsse erreichen wollen und sollen (10. Jahrgang) und die im nächsten Schuljahr dazu in der Lage sein sollen. Nicht, dass wir in den „Osterferien“ untätig gewesen wären: vieles war in den beiden Wochen einzuleiten, was sonst jetzt nicht vorbereitend zu realisieren gewesen wäre: Absprachen mit dem Schulträger über Umfang und Abholtermin unseres „sanitären Carepakets“ (Einmalhandschuhe, Einfach-Masken und Desinfektionsmittel-Kanister,/Sprühflaschen).

Absprachen mit unseren Kooperations- und Wirtschaftspartnern im Netzwerk Großbeerenstraße, die engagiert mit uns an einer Ausleihe für elektronische Endgeräte und der Bereitstellung schulexterner Arbeitsräume mit ruhigen Arbeitsplätzen für Schülerinnen und Schüler, die zu Hause mit beidem unterversorgt sind, arbeiten. Das trifft ja nicht nur auf manche Kinder unserer Willkommens-Klassen zu, die in beengten Verhältnissen oder gar noch in Unterkünften wohnen, sondern auch auf Kinder und Jugendliche, deren technische Ausrüstung zu Hause derzeit vor allem dem Homeoffice der Eltern zur Verfügung stehen muss. 

Pioniergeist auf beiden Seiten. Ab nächster Woche werden diese Jugendlichen an sieben Tagen der Woche „Zeitfenster“ von jeweils mindestens drei Stunden in temporären „Homelearning-Büros“ buchen und nutzen können, um dort in Ruhe die Aufgaben bearbeiten zu können, die es parallel zum schrittweise einsetzenden Präsenz-Unterricht weiterhin geben wird, bzw. für den Schlussspurt ihrer Vorbereitungen zu den schriftlichen MSA-Prüfungen. Wir sind stolz auf dieses gemeinsam entwickelte Konzept. Und wir freuen uns gemeinsam, dass auf der jeweils anderen Seite genug Pioniergeist herrschte, um nicht zu überlegen, warum es nicht geht, sondern daran zu arbeiten, das es gehen wird. Unser künftiger Kooperationspartner für Lernförderung (i.e.: Nachhilfe) wird ein Online-Lernförderungsangebot für uns auflegen, das auch zu diesen Endgeräten passt.

Diese Woche nun also: praktische Vorbereitung von Räumlichkeiten für das allmähliche „Wiederanfahren“ des Präsenz-Schulbetriebs, beginnend mit den 10. Klassen in der kommenden Woche, bevor es dann berlinweit jahrgangsweise wieder mit dem allgemeinen Präsenz-Unterricht losgehen soll. Die Sanitärräume haben jetzt Türschilder, die nur einzeln das Betreten erlauben; Spiegel, die zum zeitfressenden Schminken (Mädchen) und Stylen (Jungs) verleiten können, sind – soweit vorhanden – prophylaktisch entfernt. Klassenräume werden „Corona-konform“ bestuhlt.

Die Flure werden aktuell mit Boden-Klebeband in optisch klar wahrnehmbare Zwei-Meter-Abschnitte („Abstand mit Anstand“) unterteilt, ausgehend von den Klassenraumtüren. Unsere Raumgrößen verlangen Aufteilung des zuerst zurückkehrenden Jahrgangs in Lerngruppen von sechs bis sieben Schüler*innen; macht bei vier zehnten Klassen knapp über 100 Schüler*innen in 16 bis 17 Lerngruppen, also jeweils acht pro Vormittag und Nachmittag. Wenn Anfang Mai der neunte Jahrgang in gleicher Stärke zurückkehrt, sind die 16 regulären Klassenräume voll ausgelastet und die Willkommensklassen rechnerisch noch nicht versorgt – und die Jahrgänge sieben und acht, die dann – bisher ohne Datum – noch dazukommen sollen? Irgendetwas wird uns einfallen.

Erfahrungen für Post-Pandemie-Zeiten. Wir hatten uns vorgenommen, die Corona-Zeit nicht nur zu erleiden, sondern auch unter das Motto “Schule neu denken“ zu stellen. Es ist toll zu erleben, dass das mit engagierten Kolleg*innen und Partnern tatsächlich gelingt und dass Eltern das Engagement wahrnehmen und oft unterstützungsbereit sind. Manches davon werden wir in „Post-Coronazeiten“ übernehmen, zum Beispiel verschiedene Formen des (dann ergänzenden) Online-Learnings, Wochen-Lernpläne, verstärkte fächerübergreifenden Hausaufgaben-Abstimmung, interdisziplinäres Unterrichten, geeignet besonders für den Wahlpflichtbereich. Klar, es ist nicht einfach. Aber wir können das: Schule neu denken – wer, wenn nicht wir?

Die ersten fünf Folgen aus dem Online-Tagebuch der vergangenen Wochen können Sie hier nachlesen: „Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen?“„Bleib sauber, Johanna!“, „So ergeht’s dem Schulleiter“„Schon wieder quadratische Funktionen“ und „Danke heißt auf Polnisch Dziękuję“.