Namen & Neues

Corona-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule: Der ungeliebte Brückentag

Veröffentlicht am 19.05.2020 von Sigrid Kneist

An jedem Tag für alle zumindest einige Stunden Unterricht: Das ist das Motto der Tempelhofer Sekundarschule. Nach wochenlanger Schulschließung kommen die meisten gerne. Dass in dieser Woche wegen Christi Himmelfahrt und des anschließenden Brückentags gleich zwei Tage ausfallen, hätte sie früher sehr gefreut. Aber heute? Mit Unterstützung von Verwaltungsleiter Axel Jürs erfahren wir, wie die Schüler jetzt reagieren.

„Nicht über diese Brücke. Diese Woche ist Kurzwoche mit Freizeit-Brücke vom Feiertag am Donnerstag (Christi Himmelfahrt) zum Sonntag. Anlass für zwei beachtenswerte Feststellungen aus der Schüler*innenschaft. Die erste stammt von H., die auf die Anmerkung eines Mitschüler zum unwillkommenen ‚Brückenwochenende‘ (“Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich schulfreie Extratage mal doof finden würde“) kontert: „Mach’s wie meine Oma; wenn der ein Angebot nicht gefällt, sagt sie immer: Über die Brücke gehe ich nicht. Jetzt verstehe ich, was sie damit meint .“

Ein Hoch auf die Regelmäßigkeit. Die andere Feststellung stammt von einem Schüler aus dem 10. Jahrgang. Sein kleiner Bruder besucht eine Grundschule, an der den Jahrgängen für den Schulbesuch unterschiedliche Wochentage zugeordnet sind. Dadurch wird er nun zwei Wochen wieder gar keinen Präsenz-Unterricht haben. Den großen Bruder veranlasst dieses zu einem „Daumen hoch“ für die Regelung „Jeden Tag Schule für jede*n“ an seiner Johanna-Eck-Schule: „Da finde ich unsere Regelung klarer und auch besser, weil ich meine Freunde jeden Tag sehe und jeden Tag mit Tipps fürs Home-Learning nach Hause gehen kann. Und einfacher zu kapieren ist das mit dem Regelmäßigen auch.“ 

Blinder Alarm. Schüler R. hat sich gut erholt von dem „Schock“, in der letzten Woche wegen Hustens nach Hause geschickt worden zu sein, obwohl er „…nur aus Versehen“ gehustet hatte „– isch schwöre!“ Er durfte nur nach dem Hinweis der Eltern auf seine durchgehende Symptomfreiheit am Folgetag wieder in den eingeschränkten Präsenz-unterricht zurückkehren. Jetzt gibt er das Geheimnis des folgenschweren Husters preis: Er hatte, obwohl die Trinkflaschen in der Tasche bleiben sollten, „heimlich“ einen  Schluck genommen – und sich dabei verschluckt. Das mochte er nicht zugeben, als er in „Corona-Verdacht“ geriet: Er war nämlich kurz zuvor aufgefordert worden, die Flasche endlich im Rucksack verschwinden zu lassen. „Hoch gepokert und verloren…!“ – sein Fazit.

Wie in der Oper. In die neuen Einlasszeiten und -regeln haben sich fast alle problemlos eingefunden. Die Begründungen für Verspätungen sind meistens ehrlich und plausibel. Vor der Tür stehen zwei, die gleich zum nächsten Verspätungs-Einlass (alle 20 Minuten) reinkommen. Der eine beschwert sich, dass sich durch das Warten seine Verspätung jetzt um sechseinhalb Minuten verlängert habe. Der andere erklärt weltläufig den Nutzen der Regelung: ,Ich war mal mit meinen Großeltern zum Geburtstag meiner Oma in der Oper, da haben sie die zu spät gekommenen Besucher auch erst in der Pause reingelassen; das ist damit nicht dauernd gestört wird!'“

Die neun vorangegangenen Folgen aus dem Online-Tagebuch können Sie hier nachlesen: „Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen?“„Bleib sauber, Johanna!“, „So ergeht’s dem Schulleiter“„Schon wieder quadratische Funktionen“„Danke heißt auf Polnisch Dziękuję“„Vorbereitungen für die Rückkehr“ und „Es geht wieder los“ „Masken to go“ und „Alle wieder da“.