Namen & Neues

Hakenkreuz-Schmiererei an Denkmal für die zerstörte Synagoge

Veröffentlicht am 19.05.2020 von Sigrid Kneist

Das Bayerische Viertel war einst ein blühendes Zentrum jüdischen Lebens in Berlin – bis die Nazis dem ein Ende bereiteten. In der Münchener Straße stand damals eine Synagoge. Die Pogromnacht 1938 überstand sie zwar kaum beschädigt, wurde aber bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen und in den fünfziger Jahren abgerissen. Seit 1963 erinnert ein Denkmal an die Synagoge. In der vergangenen Woche wurde es mit einem Hakenkreuz und NS-Symbolen beschmiert.

So sah das Mahnmal aus, nachdem die Polizei die Schmierereien erstmal übermalt hatte. Foto: Sebastian Walter

Es ist unerträglich, dass ausgerechnet fünf Tage nach dem 75. Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus rechte Täter diesen Ort des Erinnerns und Gedenkens mit Nazi-Parolen entehrt haben“, sagte der Grünen Abgeordnete Sebastian Walter. Der Bezirk habe bereits im Februar den Aufbau eines bezirklichen Bündnisses gegen Antisemitismus angekündigt. „Es wird Zeit, dass es eingerichtet wird und seine Arbeit aufnimmt“, sagte Walter. Kultur- und Bildungsstadtrat Matthias Steuckardt (CDU), sprach von einer feigen Schändung des Denkmals. Sie mache ihn „fassungslos und wütend. Dass sich Menschen an einem solchen Mahnmal stören und es beschmieren, unterstreicht die Bedeutung einer gelebten Erinnerungs- und Gedenkkultur“, schrieb Steuckardt auf Twitter.

Entsetzen auch bei der benachbarten Kirchengemeinde. „Die Schändung des Gedenkorts der alten Synagoge entsetzt uns als christliche Nachbargemeinde tief. Wir sehen mit Sorge wie sich das Virus von Hass und Antisemitismus in unserer Zeit verbreitet und beten, dass Vernunft und Dialog wirkungsvolle Impfstoffe sein werden“, sagte Florian Kunz, Pfarrer der Evangelischen Kirche Zum Heilsbronnen. „Jüdisches Leben gehört zur Identität unseres Viertels und unserer Stadt. Das wird auch so bleiben.“ Am heutigen Dienstagvormittag wurden die Schmierereien im Auftrag des Bezirksamts entfernt. – Text: Sigrid Kneist

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