Namen & Neues

Warum nicht auch am Samstag? Aus dem Corona-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule

Veröffentlicht am 26.05.2020 von Sigrid Kneist

Noch ist die Zahl der Unterrichtsfächer sehr überschaubar. Aber wie soll man bei gedrittelten Klassen mehr anbieten? Mit Hilfe von Verwaltungsleiter Axel Jürs erfahren wir aus dem Corona-Tagebuch der Schule, wie sie das Problem jetzt angeht.

Immer nur Kernfächer? Laaangweilig. Von Eltern kommen jetzt nach den positiven Echos auf unser Prinzip: ‚Jedes Kind an jedem Tag zur Schule‘ die ersten Fragen nach Unterricht in mehr Fächern. Die Jugendlichen sind direkter : “Irgendwann ist auch mal gut mit Hauptfächern. Was ist eigentlich mit WAT (Wirtschaft-Arbeit-Technik, die Red.) oder Kunst? Ich will mal wieder in eine unserer Werkstätten“, sagt Schülerin E. Der etwas zurückhaltendere Schüler B. geht dezenter vor und verabschiedet seit einigen Tagen seine Klassen- und Französischlehrerin mit „À bientôt!“ Auf bald. Sein Freund H. hat im Gegensatz zu ihm offenbar die Hoffnung, die Schule hätte das Fach mit den vielen Akzenten inzwischen vielleicht vergessen: „Bist Du verrückt? Nisch‘ erinnern, ey!“ 

Nichtrepräsentative Umfrage. Schulleiter Engin Çatik, Zeuge des Flurdialogs,  fragt nach dieser nicht-repräsentativen Meinungsforschung testweise auch noch zwei, drei andere Jugendliche, ob sie den Spanischunterricht vermissen. Eltern hatten gezielt die Wiederaufnahme, bzw. Fortsetzung dieser beiden Fächer angesprochen. Ein „Wahlpflicht-Spanier“ antwortet: “Und wie!“ Das findet sein Mitschüler neben ihm so „krass übertrieben“: „Streber!“ Ein Mädchen, das in Sicherheitsabstand, aber mit Blickkontakt zu ihnen steht, grinst: „Das fragt Herr Çatik doch bestimmt nicht ohne Grund.“

Sonntags: nie! Samstags: warum nicht? Die damit fällige Erläuterung, dass unser Dreischicht-System mit gedrittelten Klassen die Raumkapazitäten der Johanna-Eck-Schule (JES) bereits ziemlich ausreizt und man dann kreativ werden müsse, bringt eine Erkenntnis bei der pfiffigen Schülerin S. Sie sagt zu einem der Jungs: „Merkste was?  Einmal mehr früh aufstehen.“ Der begreift noch nicht sofort. Sie wird präziser: „Zukünftig sehen wir uns auch samstags – trotz Corona!“ 

Samstags-Unterricht hat viele Seiten. Damit bekommt die Sache für den Jungen  einen komplett neuen Dreh: Das ist in der Tat ein sehr erwägenswerter Vorteil eines Schulsamstags für ihn; die beiden wohnen in weit entfernten Ortsteilen. Aber gar zu schnell einzulenken, hält er für offenbar für taktisch unklug: „Na gut, läuft; aber ohne Hausaugaben! Deal?“, schlägt er dem Schulleiter vor. Der ist zufrieden, dass die Schule als Drehscheibe für Sozialkontakte offenbar auch den Blick auf  möglichen Samstagsunterricht differenziert ausfallen lässt.

Hasta luego. Der eben noch als „Streber“ bezeichnete Schüler ist wegen des leichten Abschweifens vom Thema jetzt gerade nicht sicher, was Sache ist: „Was ist denn nun mit Spanisch?“ Da der Schulleiter das laut Schulgesetz nicht allein entscheiden kann, dazu aber schon einen von Eltern angestoßenen Antrag für die anstehende Schulkonferenz auf seinem Schreibtisch liegt, hat er bei seinen täglichen Wegen durch das Schulgebäude die Haltung einiger Schülervertreter*innen sondiert. Das Echo war gemischt, aber vernünftig abwägend und aufgeschlossen. Entsprechend gibt die Schülerin auf dem Flur vor den beiden Jungs ihren Tipp zur Zukunft des Sonnabendunterrichts an der JES ab: „Na, wenn der Antrag von Eltern kommt… Ich würde mal sagen: ¡Hasta sábado, muchachos!“

Die zehn vorangegangenen Folgen aus dem Online-Tagebuch können Sie hier nachlesen: „Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen?“„Bleib sauber, Johanna!“, „So ergeht’s dem Schulleiter“„Schon wieder quadratische Funktionen“„Danke heißt auf Polnisch Dziękuję“„Vorbereitungen für die Rückkehr“ und „Es geht wieder los“ „Masken to go“„Alle wieder da“ und „Der ungeliebte Brückentag“.