Namen & Neues

Corona-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule: Endlich mal wieder Spanisch- oder Französisch-Unterricht

Veröffentlicht am 09.06.2020 von Sigrid Kneist

Der Wahl-Sprachunterricht passte an der Tempelhofer Sekundarschule nicht in die coronabedingt eingeschränkte neue Schulroutine von Montag bis Freitag. Aber es gibt ja auch noch den Samstag. Und wie lief es? Verwaltungsleiter Axel Jürs lässt uns wieder einen Blick in das Online-Tagebuch werfen, das die Schule seit Beginn der Pandemie führt.

Bienvenidos – Bienvenue! Willkommen sind die Schülerinnen und Schüler der Johanna-Eck-Schule (JES) jeden Tag. Es aber auch mal schriftlich zu bekommen, versüßt einen Unterrichtstag natürlich; zumal, wenn es ein neuer Unterrichtstag (Sonnabend) ist – und es ein „Corona-sicher“ verpacktes Stück Schokolade dazu gibt. Am Morgen des ersten JES-Sábado/Samedi (-Sonnabend) mit Unterricht liegt auf jedem Platz ein Gruß an die Schüler*innen auf dem Tisch, auf dem die Jugendlichen auch lesen können: „Toll, dass Du dabei bist!“

Samstag als Zugabe. Es sind an diesem ersten – von der Schulkonferenz einstimmig (mit 10:0:0 Stimmen) beschlossenen – Samstags-Unterricht zunächst die Schüler*innen der siebten und achten Klassen da – um endlich mal wieder Präsenzunterricht in den Wahlpflichtfächern Französisch und Spanisch zu bekommen. Die Wahlpflichtkurse sind kleiner als die Klassen. Schülerin S. findet es besonders toll, dass ihre Französisch-Lehrerin des 8. Jahrgangs den neuen „JES-Samedi“ auch dadurch zu etwas Besonderem macht, dass sie für alle Croissants dabei hat, die unter Aussetzung der üblichen Regeln während des Unterrichts gegessen werden dürfen. „Zut alors! (Au Backe!)“, sagt sie – nicht wirklich vornehm, aber jargonsicher  – auf dem Flur, als sie ihre Lehrerin das „petit-déjeuner“ (Frühstück) mitbringen sieht. „Dann komme ich jetzt nur noch samstags“, kommentiert Schüler B.

Lehrreicher Fehler. Im Nebenraum entdeckt inzwischen Schülerin M. einen Fehler im Gruß der Schule, den die Verwaltung morgens auf jeden Platz gelegt hat: „Da steht ‚Benvenidos’. Fehlt da nicht ein i? Heißt das nicht ‚Bienvenidos‘?“ Stimmt! Die Spanisch-Lehrerin ist zufrieden. Die Schülerin, die den Fehler als erste bemerkte, ist ein kleines bisschen stolz auf sich. Und der Schüler auf dem – zwei Meter entfernten – Platz neben ihr möchte nicht nachstehen und kommentiert die abgepackte Süßigkeit: „¡…que bien!“ (…wie schön/nett!). Der Schulleiter war extra früh aufgestanden, um auf dem Weg zur Schule noch schnell einzukaufen. 

VIP-Begrüßung am Hauptportal: “Oh, guten Morgen Herr Çatik. Erwischt! Habe verschlafen“, grüßt die geringfügig zu spät eingetroffene Schülerin, der es etwas peinlich ist, ausgerechnet ihren Schulleiter am Haupteingang zu treffen. Der reagiert entspannt und gibt einen Tipp für eine einfallsreichere ‚Ausrede‘ mit auf den Weg zum Klassenraum: „Habe verschlafen, das klingt nicht sehr originell; wie wär’s mit: Mein Wecker hat den Schulkonferenzbeschluss zum Samstagsunterricht noch nicht in seine Kalenderfunktion übernommen?“ „Mega!“ lautet die Antwort. Dass das etwas mildere Verspätungsregime für den ersten Samstag zwischen Schulleitung und Lehrkräften abgesprochen sein könnte, vermutet sie nicht: wahrscheinlich weil die Verspätungsregeln des reduzierten, seit Mai für alle täglich stattfindenden Präsenzunterrichts nicht nur von Klarheit geprägt waren, sondern auch mit Konsequenz umgesetzt wurden.

Fazit und Vorschläge. Am Schluss des ersten JES-Samstags ist das Fazit in der Schülerschaft differenziert, aber überwiegend deutlich positiv. „Zu Hause hätte ich mich heute sicher nicht mit Spanisch beschäftigt“, sagt einer. Ein anderer findet: „Mit nur einem 90-Minutenblock war es heute echt locker, trotz Grammatik.“ Schülerin E. meint, man könnte das doch auch nach der ‚Coronazeit‘ machen: „Vielleicht jeden zweiten Samstag? Der Samstag als besonderer Schultag, an dem alles etwas lockerer laufen darf?“ Schulleiter Engin Çatik ist zufrieden: In die Richtung hatte er auch schon gedacht. Der “petit-déjeuner-samedi“ oder der „Chemie live“-Laborsamstag in angemessenen Intervallen? Warum nicht? Das ist keine Überschulung und nimmt den Familien nicht viele Samstage. Auch freie Tage und Erholung sind wichtig, um gut lernen – und auch gut lehren – zu können.

Die zwölf vorangegangenen Folgen aus dem Online-Tagebuch können Sie hier nachlesen: „Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen?“„Bleib sauber, Johanna!“, „So ergeht’s dem Schulleiter“„Schon wieder quadratische Funktionen“„Danke heißt auf Polnisch Dziękuję“„Vorbereitungen für die Rückkehr“ und „Es geht wieder los“ „Masken to go“„Alle wieder da“, „Der ungeliebte Brückentag“„Warum nicht auch am Samstag?“ und „Alle begannen, in fremden Sprachen zu reden“.