Namen & Neues

Bezirk wird riesige Lärmschutzwand nicht genehmigen

Veröffentlicht am 16.06.2020 von Sigrid Kneist

Längst sollte – wie vor gut drei Monaten hier berichtet – auch auf dem größten Teil der Friedenauer Höhe gebaut werden. Während im westlichen Teil die Gebäude entstehen, passiert auf dem planierten Areal zur Hauptstraße hin nichts. Der Entwickler, die Immobiliengesellschaft OFB Projektentwicklung, hat Probleme mit der Vermarktung. Geschäftsführer Klaus Kirchberger sagte mir im März, dass Investoren wegen des Berliner Mietendeckels abgesprungen seien. Der Stillstand hat aber auch Konsequenzen für die Bauten, die derzeit an der Handjerystraße entstehen. Denn auf dem Gelände des ehemaligen Wilmersdorfer Güterbahnhofs – das trotz des Namens zu Friedenau gehört – sollte entlang der Autobahn- und S-Bahn-Trasse ein hoher Gebäuderiegel entstehen, der den Lärmschutz für das gesamte Areal gewährleisten soll. Auf den sechsgeschossigen, hunderte Meter langen Bau sollte den Planungen zudem noch eine vier Meter hohe Lärmschutzmauer gesetzt werden. tagesspiegel.de

Im Bebauungsrecht für das Gelände ist dieser Lärmschutz zwingend vorgeschrieben. Die westlich gelegenen Bauten können erst dann bezogen werden, wenn das direkt östlich angrenzende Gebäude im Rohbau fertiggestellt ist. So sieht es auch der städtebauliche Vertrag vor. Im schlimmsten Fall könnte dies bedeuten, dass die rund 250 öffentlich geförderten Wohnungen, die die Immobiliengesellschaft Ten Brinke derzeit für die städtische Wohnungsbaugesellschaft Howoge baut, wegen des fehlenden Lärmschutzes  nicht planmäßig vermietet werden könnten.

Lärmschutzwand als Alternative? Da auf dem Areal der OFB derzeit noch nicht gebaut wird, stand jetzt auch eine riesige, 30 Meter hohe Lärmschutzwand zur Diskussion. Beim Bauamt wurde ein entsprechender Antrag eingereicht. „Wir werden diese Lärmschutzwand nicht genehmigen und diese städtebauliche Sünde nicht zulassen“, sagte Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) auf meine Anfrage. Diese Wand werde es mit ihm nicht geben. Das sei dem Bezirk nicht zuzumuten. Oltmanns Auffassung nach solle die OFB Grundstücke ohne eigene Bauleistung verkaufen, damit es dort endlich vorangehe. Ihm reiche die Absichtserklärung der Gesellschaft nicht, im zweiten Halbjahr mit dem Bau zu beginnen. Deswegen gebe es jetzt monatliche Besprechungen. Oltmann verwies bereits im März darauf, dass auch die von der OFB geplanten 1200 Wohnungen dringend gebraucht werden.

Keine Stellungnahme. Bei der OFB hieß es auf meine Anfrage, man könne derzeit keine Details zu Vermarktung und Lärmschutz mitteilen. Bei der Gesellschaft Ten Brinke geht man davon aus, dass die OFB in diesem Jahr mit den Bauarbeiten beginnt und der Schallschutz für die eigenen Bauten bis zu deren Vermietung gewährleistet wird. „Bei der von Ihnen angesprochene Schallschutzwand handelt es sich lediglich um eine Ultima Ratio. Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass eine solche Wand notwendig werden wird“, schrieb ein Sprecher. Ten Brinke will den Rohbau „in naher Zukunft“ abgeschlossen haben. Mit der Vermietung könne dann im Laufe des kommenden Jahres begonnen werden. Das gesamte Projekt Friedenauer Höhe sollte ursprünglich im Jahr 2023 abgeschlossen sein, wird sich jetzt aber bestimmt verzögern.

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