Namen & Neues

Corona-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule: Und endlich gibt's Zeugnisse

Veröffentlicht am 23.06.2020 von Sigrid Kneist

Wenn das kein außergewöhnliches Schuljahr war, das jetzt zu Ende geht! Das sagen nicht nur die Schulangehörigen der Tempelhofer Sekundarschule. Seit Beginn der Pandemie dürfen wir mit Hilfe von Verwaltungsleiter Axel Jürs Einblick in das Online-Tagebuch der Schule nehmen. Heute begann dort die Zeugnisausgabe.

Vergabe in Etappen. Schuljahresende und Sommerferienanfang sind greifbar nahe – und tatsächlich greifbar sind für einige die Zeugnisse, die dieses Jahr coronabedingt an unterschiedlichen Ausgabetagen verteilt werden. Die Klassen des zehnten Jahrgangs erhalten sie deshalb bereits am Dienstag; jedenfalls alle, die ihre von der Johanna-Eck-Schule (JES) ausgeliehenen Bücher rechtzeitig abgegeben haben. Die anderen Zeugnisse dürfen natürlich von den Eltern noch vor Beginn der Sommerferien abgeholt werden, es besteht schließlich ein Rechtsanspruch darauf. Aber ihre ausgeliehenen Bücher hätte die Schule eben auch gerne zurück.

Großzügig? Ungerecht! Schüler*in B. ist verärgert über das Zeugnis – nicht über ihr eigenes, sondern das der Platznachbarin: „Das glaube ich jetzt nicht: Ich mache alle Aufgaben im Home Learning, bekomme die kaum verbesserte Note wie im ersten Halbjahr; und T. macht rein gar nichts und bekommt genau die gleiche Note aus dem ersten Halbjahr.“ Sie missgönnt der Mitschülerin, mit der sie sich gut versteht, nicht deren erträgliche Noten, fühlt sich aber in ihrem Gerechtigkeitsempfinden heftig gestört.

Die offizielle berlinweite Vorgabe, dass sich Schüler*innen, auch bei Leistungsverweigerung in Corona-Zeiten notenmäßig per se nicht verschlechtern konnten, kommt bei vielen Schüler*innen nicht gut an. Sie finden, wenn diese Großzügigkeit bei Faulheit vor dem Absturz der Noten rettet, müsste auch die deutliche Verbesserung für fleißiges selbstständiges Home Learning der engagierten Schüler*innen belohnt werden, zur Not auch mit Notensprüngen, die die Regularien nicht vorsehen. Ein Schüler kommentiert: „Musste nach Bayern ziehen. Hier in Berlin hast Du normal je mehr Aufmerksamkeit, desto weniger du kommst und desto mehr Mist Du machst. Da geht‘s uns an der JES noch Gold.“

Wo ist das Mathebuch?  „Zeig mal dein Zeugnis, was hast du denn in Mathe?,“ wird Schüler S. von seinem Freund gefragt  Die Note kann S. sagen, aber das Zeugnis hat er nicht. Zurückgehalten werden die Zeugnisse zwar nicht bis zur Rückgabe der säumigen Bücher, auch wenn manche Schulen das rechtswidrig anders halten; aber die Schule kann bestimmen, das Zeugnis nur den Erziehungsberechtigten auszuhändigen, um mit diesen den Rückgabe- oder Ersatzmodus zu besprechen – zur Vermeidung eines gerichtlichen Mahnverfahren. Immerhin sind die entliehenen Bücher Eigentum des Landes Berlin und von der Gemeinschaft bezahlt.

Rückblick mit Stolz und ein bisschen Wehmut: MSA- und andere Abschlusszeugnisse zur (einfachen oder erweiterten) Berufsbildungsreife lassen nochmal die bestandenen Prüfungen mit all der Vorbereitung und Aufregung Revue passieren. Die meisten waren froh, dass sie ihre Präsentations-Prüfungen an der JES – im Unterschied zu manchen anderen Schulen – schon vor den Corona-Schließungen unter Dach und Fach hatten. Das Prüfungs- und Abschlusszeugnis lässt aber hier und da Wehmut aufkommen, ist es doch Beleg dafür, dass sich jetzt nicht nur Schul- sondern auch Lebenswege trennen. 

Aber auch Freude ist dabei: Es in beglaubigter Kopie am OSZ, der gymnasialen Oberstufe oder dem Ausbildungsbetrieb vorlegen zu können, wo es nach den Sommerferien weitergehen soll, das ist schon was. Manches Zeugnis ist auch sofort echtes Geld wert: Schülerin H. konnte bei der Oma rechtzeitig zehn Euro für jede Zwei im Zeugnis aushandeln. „Das gibt ja einen Fuffi“, sagt Mitschüler M. – was nicht nötig gewesen wäre: denn in Mathe hatte H. auch eine Zwei.          

Die 14 vorangegangenen Folgen aus dem Online-Tagebuch können Sie hier nachlesen: „Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen?“„Bleib sauber, Johanna!“, „So ergeht’s dem Schulleiter“„Schon wieder quadratische Funktionen“„Danke heißt auf Polnisch Dziękuję“„Vorbereitungen für die Rückkehr“„Es geht wieder los“ „Masken to go“„Alle wieder da“, „Der ungeliebte Brückentag“„Warum nicht auch am Samstag?“„Alle begannen, in fremden Sprachen zu reden“„Endlich mal wieder Spanisch und Französisch“und Klassenfotomontage und Rechnen mit der Pandemie.