Namen & Neues

Wo bleiben die Radwege in Tempelhof? Ein Vater fragt, die Stadträtin antwortet

Veröffentlicht am 04.08.2020 von Sigrid Kneist

Auf Twitter veröffentlichte der Tempelhofer Fabián Hickethier vor zwei Wochen den Auszug eines offenen Briefs an Verkehrsstadträtin Christiane Heiß (Grüne). Das Schreiben wurde dort vielfach weiterverbreitet und diskutiert. Hickethier beklagte, dass es von Tempelhof bis Mariendorf keine vernünftige Radroute für ihn und seinen siebenjährigen Sohn gebe. Er habe entweder „die Wahl zwischen einer labyrinthartigen Route auf Seitenstraßen mit kaum befahrbarem Kopfsteinpflaster (Schönburgstraße, Blumenthalstraße vor allem nahe Bosestraße), illegalen Parkdurchquerungen (Bosepark, Lehnpark), zeitraubenden Umfahrungen und kleinen Nebenstraßen mit viel Autoverkehr.“

Eine Alternative seien nur der Tempelhofer/Mariendorfer Damm komplett ohne Radewege sowie Manteuffel-/Alarich-/Rathausstraße mit streckenweise und dann abrupt endenden Radschutzstreifen. „Ich wohne seit beinahe zehn Jahren in Tempelhof und mir ist kein einziger nennenswerter neu angelegter Radweg aufgefallen, nichts ist derzeit in Bau“, schreibt Hickethier. Er fragt konkret, was denn getan wurde und bat um Abhilfe bis zum Ende der Sommerferien. „Die Verkehrswende ist ein zentraler Bausteine, unsere Stadt in Richtung einer lebenswerter Zukunft umzubauen. Ich habe große Hoffnungen in die grüne Beteiligung bei der Regierungsbildung vor dreieinhalb Jahren gesteckt.“

In ihrer Antwort schreibt Heiß, dass das Thema Nord-Süd-Verbindung bei ihr „oberste Priorität“ habe. Beim Tempelhofer Damm, der von Alt-Tempelhof bis Ullsteinstraße durchgehend geschützte Radspuren erhalten soll, befinde man sich „auf der Zielgeraden“. „Derzeit werden die Baumaßnahmen vorbereitet, so dass wir im kommenden Jahr bauen können“, schreibt Heiß. Die Bürgerbeteiligung habe bereits im vergangenen Jahr ergeben, „dass vorab kein Stückwerk auf vermeintlich unproblematischen Abschnitten eingerichtet werden soll.“ Diese Strecken würden an kritischen Knotenpunkten mit und ohne Abbiegespuren abrupt in den fließenden Verkehr münden und so zu Gefahrensituationen führen. Deshalb haben sich laut Heiß die Senatsverwaltung und das Bezirksamt gemeinsam gegen die Errichtung eines Pop-Up-Radweges am Tempelhofer Damm entschieden.

Weiterer Ausbau. Auch in den Bereichen Schönburgstraße, Blumenthalstraße und nahe der Bosestraße sei seit langem der radverkehrsfreundliche Ausbau geplant, schreibt Heiß weiter: „Hier mussten wir auf die Baumaßnahmen der Berliner Wasserbetriebe warten, da mit deren Abschluss die Fahrbahndecke entsprechend neu in Asphalt eingerichtet werden soll. (…) Wir rechnen damit, dass entsprechend des Baufortschrittes der BWB unsere Maßnahmen abschnittsweise bis Ende 2022 abgeschlossen sind.“ In der Manteuffelstraße gebe es einen „Radschutzstreifen, der im nächsten Jahr durch die Infra-Velo GmbH grün eingefärbt werden soll. In Verlängerung dieser Strecke werden wir den Radweg an der Attilastraße, der überwiegend auf dem Gehsteig verläuft, weiter verlängern.“

Ratschlag für den Augenblick. Heiß schreibt, derzeit könne sie für die Sicherheit des Kindes nur raten, dass Hickethier, dort wo kein von der Fahrbahn abgetrennter Radweg ist, gemeinsam mit dem Kind auf dem Gehweg fahre. So sehe es auch die Straßenverkehrsordnung vor, wenn Kinder jünger als acht Jahre sind. Heiß gab noch folgenden Rat: „Und wenn das Zeitbudget es nicht hergibt – die U6 bringt Sie in wenigen Minuten ans Ziel.“

Fazit der Stadträtin: „Leider ist in Berlin die Verkehrswende noch nicht so weit, wie ich es mir als Politikerin wünsche. (…) Vom Beginn der Planung bis zur Umsetzung vergehen in der Regel leicht drei bis vier Jahre. Deshalb engagiere ich mich auch seit Beginn der Wahlperiode intensiv dafür, dass die Prozesse berlinweit verschlankt und vor allem beschleunigt werden – denn nur dann können wir auch im Bezirk schneller werden. (…)
Der Umbau der jahrzehntelang autogerecht geplanten Stadt hat gerade erst begonnen. (…) Zahlreiche Projekte für die Verbesserung der Situation für den Radverkehr im Bezirk sind angestoßen – lassen sich aber auch beim besten Willen nicht bis zum Ende der Schulferien abschließen.“

Übrigens: Am heutigen Dienstagvormittag demonstrierte die Initiative Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg wieder in Tempelhof für die geschützten Radspuren am Tempelhofer Damm. twitter.com – Text: Sigrid Kneist
+++
220.000 Abos und immer konkret: Die Tagesspiegel-Newsletter für die 12 Berliner Bezirke gibt es kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de
+++
Mehr Themen im aktuellen Newsletter für Tempelhof-Schöneberg

  • Kühnert kandidiert – Kalayci nicht mehr
  • Aktiv im Kiez: Der Verein Quartier Bayerischer Platz
  • Nach Karstadt-Rettung: Bebauungsplanverfahren wird wieder aufgenommen
  • Vorbereitungen für den Schulstart: Online-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule
  • Da geht ein Licht auf: Was wird aus den Gaslaternen im Bezirk?
  • Da sammelt sich was an: Was passiert mit dem Müll auf der Straße?
  • Theater in der Malzfabrik
  • …mehr Bezirksnachrichten, Kiez-Debatten, Termine und persönliche Tipps immer in unseren Bezirksnewsletter vom Tagesspiegel. Kostenlos und in voller Länge hier: leute.tagesspiegel.de