Namen & Neues

Bulgarisch, rumänisch, ungarisch: Sprüche auf Papierkörben an der Kurfürstenstraße

Veröffentlicht am 01.09.2020 von Sigrid Kneist

Die Sprüche der BSR auf Fahrzeugen oder Müllcontainern fallen meist auf; oft sind sie ausgesprochen originell. Meine Kollegin Daniela Martens kam aber bei einem Spruch auf einem Papierkorb an der Kurfürstenstraße, am Straßenstrich, ins Nachdenken – hier zu sehen. Dort stand Weiß auf Orange in bulgarischer Sprache: „Du bist toll?“ Was sollte der Spruch sagen? Sie empfand es als zynisch: Denn viele der Prostituierten, die hier mit eingefallenen Wangen, Babybauch, leerem Blick und Zahnlücken auf der Straße auf Freier warten, wie sie schreibt, stammen aus Bulgarien, wie sie im Tagesspiegel schrieb. Der Straßenstrich sei ein Armutsstrich.

War es ein missglückter Witz? Oder was hat es mit dem Spruch auf dem Papierkorb auf sich? Das fragte ich die Berliner Stadtreinigung, auch wenn die Papierkörbe im nördlichen Teil der Kurfürstenstraße und dem dortigen Kiez stehen – und damit bereits im Nachbarbezirk Mitte. Die Antwort der BSR überraschte mich dann doch: „Das Bezirksamt Mitte kam letztes Jahr mit der Idee auf uns zu, mit entsprechenden Sprüchen auf unseren Papierkörben in dem Gebiet die Sauberkeit im Kiez durch die andere Ansprache zu verbessern. Grund war, dass viele der Sex-ArbeiterInnen dort der deutschen Sprache nicht mächtig sind.“ Es gebe Sprüche in Bulgarisch, Ungarisch und Rumänisch. Man habe bei dem Pilotvorhaben eng mit dem Frauentreff Olga, das sich um die Prostituierten kümmert, zusammengearbeitet: „Dort konnte man uns zuverlässig sagen, welche Nationalität man wo vermehrt antrifft.“ Jetzt ist also geklärt, wie die Sprüche entstanden. Aber ist diese Aktion wirklich gelungen?