Namen & Neues
Natur am Stadtrand: Landschaftsplan für Marienfelde in Arbeit
Veröffentlicht am 01.09.2020 von Sigrid Kneist

Ganz unten im Südwesten unseres Bezirks gibt es einen kleinen Berg. 80 Meter ist er hoch, man nennt ihn auch den „Alpengipfel“. Die künstlich geschaffene Erhebung am äußersten Stadtrand liegt mitten im sogenannten Freizeitpark Marienfelde, umgeben von viel Natur und Grün, und bietet bei guter Sicht einen fantastischen Rundumblick – in Richtung City etwa kann man mit Leichtigkeit den gut 15 Kilometer entfernten Fernsehturm sehen. Das Gelände ist ein beliebtes Ausflugsziel und vor allem aber auch ein wichtiges Biotop und Lebensraum für geschützte Arten. Um den Freizeitpark und angrenzende Flächen dauerhaft zu sichern, wird derzeit ein Landschaftsplan aufgestellt.
Um welche Fläche handelt es sich? Insgesamt geht es um ein Areal von 120 Hektar Größe, wie der Umwelt- und Naturschutz zuständige Stadtrat Oliver Schworck (SPD) bei einem Ortstermin in der Naturschutzstation, der Naturwacht Marienfelde, sagte. Den Kern bildet der Freizeitpark, der einst auf einer ehemaligen Hausmülldeponie angelegt wurde und eigentlich besser mit dem Begriff Landschaftspark umschrieben ist. Hinzu kommen unter anderem Areale der ehemaligen Bezirksgärtnerei und eines einstigen Klärwerks der Wasserbetriebe. Einbezogen sind auch die Kleingartenkolonien am Birkholz und Diedersdorfer Weg sowie das Gelände vom Umweltbundesamt. „Nicht jede Fläche muss für den Wohnungsbau genutzt werden“, sagte Schworck. Naturlandschaften müssten auch erhalten bleiben. „Wohnungen ohne ein grünes Umfeld können wir uns nicht vorstellen.“ Diese Grünflächen trügen auch zur Qualitätssteigerung der Wohnviertel bei.
Landschaftsplan und Baurecht. Die Aufstellung des Landschaftsplans geht auf einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung zurück, die Flächen zu sichern. Im Juni beschloss das Bezirksamt, dass der Plan aufgestellt werden müsse. Aber auch ein Landschaftsplan kann einen bereits geltenden Bebauungsplan nicht außer Kraft setzen. Wenn also schon Baurecht geschaffen wurde, dann gilt es weiter. So erklärt es Dennis Born vom Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks. Die Planungen sehen jetzt vor, dass die Gewächshäuser der ehemaligen Bezirksgärtnerei abgerissen werden und sich die Naturwacht auf einen Teil der Fläche ausdehnen kann. Das übrige Areal könnte unter anderem für Gemeinschaftsgärtnern genutzt werden. Der westliche Teil des bisherigen Klärwerksgeländes wird bereits durch einen Reitverein genutzt, und auch der östliche Teil soll künftig Pferdefreunden zur Verfügung stehen: Er soll dann vom Ponyclub „Zu den flotten Hufen“ genutzt werden können. Bei anstehenden baulichen Verdichtungen auf dem Areal des Umweltbundesamtes soll darauf geachtet werden, dass auch dort das Grün gesichert wird. Die Kleingartenanlagen sollen dauerhaft erhalten bleiben, zudem soll sichergestellt werden, dass die Wege weiter öffentlich bleiben.
Text: Sigrid Kneist, Foto: Björn Lindner
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