Namen & Neues

Online-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule: Gedenktage, Gewalt und Demokratie

Veröffentlicht am 01.09.2020 von Sigrid Kneist

Mit Beginn der Pandemie nehmen wir über das Online-Tagebuch der Tempelhofer Sekundarschule und mit Hilfe des Verwaltungsleisters Axel Jürs Einblick in den Schulalltag. Heute jährt sich um 81. Mal der Jahrestag des Überfalls Deutschlands auf Polen und damit des Beginns des Zweiten Weltkriegs.

Wie spricht man mit Kindern über den 1. September? Historische Gedenkdaten altersgerecht zu besprechen, ist nicht einfach. An der Johanna-Eck-Schule geschieht das nicht nur fachbezogen, sondern interdisziplinär und zu besonderen Aspekten. Im Ethik-Unterricht mit der 7. Klasse, in dem gerade „Vorbilder und Idole“ das Thema sind, bespricht Schulleiter Engin Çatik, wie und warum 1939 der Überfall auf das Nachbarland Polen damals selbst bei manchen sonst friedfertigen Menschen Begeisterung auslösen konnte, wer frühere „Heldenfiguren“ waren und wieso und warum Personen heute Idole sein können – oder besser nicht sein sollten. Wichtiger Seitenaspekt des Themas Krieg an sich: Es gibt heutzutage in Schulklassen wieder Kinder mit eigener Kriegserfahrung und jugendliche Augenzeugen von Gewaltherrschaft – aus Ländern, aus denen die Flucht gelang.

Null Toleranz. Gewalt ist auch sonst kein abstraktes Thema an heutigen Schulen. Vor wenigen Tagen waren zwei Präventionsexpertinnen der Polizei da, die im Unterricht mit den Schüler*innen über Vorformen von Gewalt, Cybermobbing und ähnliches sprechen. Leider ist Gewalt manchmal auch aus aktuellem Anlass Thema:  An der Johanna-Eck-Schule geschieht es inzwischen zwar sehr selten, dass einzelne Schüler*innen körperliche Auseinandersetzungen suchen. Aber es kommt vor. Wenn Polizei mit Blaulicht und Martinshorn auftaucht, ist dies ein starkes Signal, dass gesellschaftlich geltende Grenzen über die schulischen Regeln hinaus deutlich verletzt wurden. Und es wird zudem die Botschaft an die Schüler*innen und auch ihre Erziehungsberechtigten vermittelt, dass die Polizei nicht gerufen wurde, weil sich jemand pädagogisch überfordert fühlte, sondern weil Gewalt an der Schule nicht geduldet wird: „Wer schlägt, fliegt beizeiten!“ Der Umgang mit solchen seltenen Vorfällen ist transparent, inklusive Klassenrundgang des Schulleiters Çatik zum Thema am nächsten Schulmorgen.

Apropos Demokratie: Es laufen erste Absprachen zwischen der Johanna-Eck-Schule und der Jugendbuch-Autorin Karen-Susan Fessel, die außerdem Namenspatronin der im Aufbau befindlichen Schüler*innen-Bibliothek ist, für eine Neufassung ihres Grundgesetz-Erklärbuchs mit dem Titel: „GG – Was ist das?“. Die erste Version ist inzwischen in die Jahre gekommen. Die Frage ist jetzt, wie die Schüler*innen bei der Entstehung einer neuen Fassung einbezogen werden können. Und in einer Schreibwerkstatt für Schüler*innen soll noch in diesem Schuljahr ein Schulroman entstehen. Handlungsvorschlag eines jugendlichen Krimi-Fans aus dem 8. Jahrgang: „In einer Kleingartenanlage neben einer Schule wird die Beute aus einem Bankraub gefunden, und die frisch gewählten Schulsprecher klären den Fall auf.“

Die 24 vorangegangenen Folgen aus dem Online-Tagebuch können Sie hier nachlesen: „Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen?“„Bleib sauber, Johanna!“, „So ergeht’s dem Schulleiter“„Schon wieder quadratische Funktionen“„Danke heißt auf Polnisch Dziękuję“„Vorbereitungen für die Rückkehr“„Es geht wieder los“ „Masken to go“„Alle wieder da“, „Der ungeliebte Brückentag“„Warum nicht auch am Samstag?“„Alle begannen, in fremden Sprachen zu reden“„Endlich mal wieder Spanisch und Französisch“, „Klassenfotomontage und Rechnen mit der Pandemie“„Zeugnisvergabe in Etappen“„Sommercamp statt Sommerschule“„Jetzt wird renoviert“ , „Nach allen Regeln“„Gute Planung muss sein“, „Noch sind die Handwerker im Haus“„Letzte Vorbereitung vor dem Schulstart“, „So war der erste Tag“„Die ersten Corona-Fälle“ und „Elternbegrüßung auf dem Schulhof“.