Namen & Neues

Gegen die Verlegung: Initiativen für das Wenckebach-Krankenhaus

Veröffentlicht am 13.10.2020 von Sigrid Kneist

Der Unmut der Bezirksverordneten über die Pläne des Klinikkonzerns Vivantes, die stationäre Patienversorgung des Tempelhofer Wenckebach-Krankenhauses an das Schöneberger Auguste-Viktoria-Krankenhaus zu verlagern, ist fraktionsübergreifend groß. Auch Anwohner engagieren sich inzwischen mit einer Online-Petition und Unterschriftenlisten dafür, dass das Krankenkaus erhalten bleibt.

Das sind die Pläne: Meine Kollegin Lotte Buschenhagen berichtete in der vergangenen Woche über die Verlagerungspläne. Noch in diesem Jahr soll als erstes die Klinik für Innere Medizin – Gastroenterologie und interdisziplinäre Endoskopie nach Schöneberg umziehen. Im kommenden Jahr  sollen unter anderem die Abteilungen für Chirurgie, für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie für Anästhesie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie sowie die Rettungsstelle folgen. Die Bezirkspolitiker kritisierten in der Bezirksverordnetenversammlung, dass der Bezirk vor den Planungen nicht informiert wurde. Vor allem die Verlagerung der Rettungsstelle sei nur vertretbar, “wenn die Notfalversorgung für Bürger aus Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade gewährleistet”, heißt es in einer von SPD und Grünen initiierten Erklärung der BVV.

Keine Mehrheit für CDU-Antrag. Die Union hatte einen weitergehenden Antrag eingereicht: Das Bezirksamt solle sich dafür einsetzen, „dass eine finale Entscheidung über die Zukunft des Wenckebach-Krankenhauses nicht ohne Befassung durch die BVV und erst nach einer aktiven Bürgerbeteiligung gefällt werden kann“. Zudem solle die Rettungsstelle in Tempelhof erhalten bleiben. Die

In der Debatte sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Manuela Harling, dass nicht nur wirtschaftliche Gründe bei der Zusammenlegung zweier Krankenhäuser berücksichtigt werden dürften. Vielmehr müsse man auch die gesundheitlichen Belange der Menschen aus dem südlichen Teil des Bezirks berücksichtigen. Linken-Fraktionschefin Elisabeth Wissel sprach sich für eine Erhaltung des Tempelhofer Krankenhausstandorts aus, dort gebe es eine Bettenauslastung von 90 Prozent. „Gerade zu Pandemiezeiten zeigt sich, dass ein Bettenabbau kontraproduktiv ist“, sagte Wissel.

Was passiert mit dem Tempelhofer Klinikgelände? Vivantes hat bisher erklärt, dass „der traditionsreiche Tempelhofer Standort mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden zu einem innovativen Gesundheitscampus mit ambulanter Medizin weiterentwickelt werden“ soll. Was das genau bedeutet, ist allerdings noch unklar. „Die Bürger interessiert, wie die Grundversorgung aussieht und was aus dem Gelände und den Gebäuden wird“, sagte die Grünen-Bezirksverordnete Aferdita Suka. Sie ist auch Vorsitzende des Gesundheitsausschusses der BVV und hat für die kommende Sitzung des Gesundheitsausschusses am 25. Oktober den fürs Klinik-Management zuständigen Vivantes-Geschäftsführer Johannes Danckert eingeladen, der sein Kommen schon zugesagt hat.

Online-Petition gestartet. Anwohnerin Andrea Huck, die aus ihrem Fenster direkt auf das Krankenhausgelände schauen kann, ist fest davon überzeugt, dass die Klinik in Tempelhof bleiben muss. „Wir brauchen das Krankenhaus hier, vor allem die Rettungsstelle“, sagt Huck. Sie befürchtet, dass bei Notfällen im Süden des Bezirks die Anfahrswege sonst zu lange würden. Die Tempelhoferin startete in der vergangenen Woche zunächst eine Unterschriftenaktion; die Zettel liegen in mehreren Tempelhofer Geschäften und Cafés aus. Mehr als 430 Unterschriften auf dem Papier hat sie schon gesammelt. Am Wochenende initiierte sie zudem eine Online-Petition. Darin heißt es: „Wir fordern den Vivantes Aufsichtsrat auf, dass Wenckebach-Klinikum nicht zu schließen. Wenckebach ist Geschichte und wir alle sollten versuchen, für unser Krankenhaus zu kämpfen.“

Schon lange am Standort. Das Wenckebach-Krankenhaus war einst ein Militärhospital. Es wurde 1878 eröffnet und ist derzeit noch ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit 443 Betten.

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