Namen & Neues
Wenckebach-Krankenhaus: Vivantes verteidigt Schließungsentscheidung
Veröffentlicht am 27.10.2020 von Sigrid Kneist
Worum es an diesem Montagnachmittag im Rathaus Schöneberg gehen sollte, war schon auf dem Vorplatz ersichtlich. „Krankenhausschließungen gefährden Ihre Gesundheit“, hieß es auf einem Transparent. Im bezirklichen Gesundheitsausschuss standen die Schließungspläne für das Tempelhofer Wenckebach-Krankenhaus auf der Tagesordnung. Wie berichtet, soll die stationäre Patientenversorgung des Krankenhauses nach und nach zum Schöneberger Auguste-Viktoria-Krankenhaus verlagert werden. Die erste Abteilung, die Klinik für Innere Medizin, soll noch in diesem Jahr umziehen.
Kritik aus der Bezirkspolitik. In der Bezirksverordnetenversammlung wird die Entscheidung des Vivantes-Klinikkonzerns, zu dem auch das Wenckebach-Krankenhaus gehört, kritisch gesehen: Zum einen sorgt man sich um die medizinische Versorgung der südlichen Stadtteile Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade. Außerdem möchten die Bezirksverordneten wissen, wie der 30 Jahre alte Krankenhauskomplex mitten in Tempelhof künftig genutzt werden soll. Zudem war in der letzten Bezirksverordnetenversammlung vor drei Wochen Kritik an der Informationspolitik von Vivantes laut geworden. Der Bezirk sei in die Entscheidungsfindung nicht eingebunden gewesen, hieß es.
Alternativlos. Der für das Klinikmanagement zuständige Geschäftsführer Johannes Danckert machte vor dem Ausschuss klar, dass es aus Sicht von Vivantes keine andere Möglichkeit gebe, als die Abteilungen des Krankenhauses nach Schöneberg zu verlegen. Dort sind schon seit einigen Jahren die Neubauarbeiten im Gange. Die alten Wenckebachgebäude seien stark sanierungsbedürftig. Dafür seien Investionen von rund 154 Millionen Euro notwendig, die Vivantes nicht habe, sagte Danckert: „Und dann hätte man immer noch kein modernes Krankenhaus.“ Seinen Angaben zufolge war die „Entscheidung über Fortbestand oder Sanierung unaufschiebbar“. Irgendwann wäre das Wenckebach, gerade auch die Rettungsstelle, in einem Zustand, indem es keine Betriebsgenehmigung mehr von der Krankenhausaufsicht hätte. Ohnehin würden schon heutzutage die wichtigsten Abteilungen gemeinsam geführt.
Problematische Entfernungen. Bedenken wegen der längeren Wege für Patienten und ihre Angehörigen hatte Danckert nicht. Das Auguste-Viktoria-Krankenhaus sei nur gut drei Kilometer entfernt. Ganz so unproblematisch sahen dies die Bezirksverordneten nicht. Sowohl Guido Pschollkowski (CDU) als auch Manuela Harling (SPD) widersprachen; die längeren Wege seien für die Menschen durchaus ein Problem. Sie würden dann vielleicht auch eher auf das Neuköllner Krankenhaus oder auf das katholische St.-Josef-Krankenhaus ausweichen.
Zukunftspläne. Ideen, was aus dem Tempelhofer Krankenhauskomplex werden könnte, äußerte Vivantes-Chef Danckert einige: „Ein Adlershof der Medizin“ schwebt dem Klinikkonzern vor. Denkbar seien ein Ausbildungscampus, die Ansiedlung von Haus- und Fachärzten, wünschenswert zudem ein ambulantes OP-Zentrum. Für die Frage, wie die Finanzierung für die notwendige Sanierung aussehen solle, hielt er Vivantes allerdings nicht für zuständig.