Namen & Neues

Gustav-Heinemann-Schule: Ende eines Provisoriums in Sicht

Veröffentlicht am 03.11.2020 von Sigrid Kneist

Zuletzt war es die Zauneidechse, die das Bauprojekt noch einmal verzögerte. Sie hatte sich auf dem vorgesehenen Baugrund breitgemacht. Da die Echse aber zu den stark geschützten Arten zählt, mussten die Tierchen in den Sommermonaten mit sogenannten Amphibienzäune und Fangeimern gesammelt und dann umgesiedelt werden, wie ich im Mai berichtete. Die paar Monate machten jetzt auch nichts mehr viel aus; das ganze Projekt wartet nämlich seit mehr als 30 Jahren darauf, verwirklicht zu werden.

Jetzt geht’s los. Und am vergangenen Freitag war es endlich so weit: Der Grundstein für den Neubau der Gustav-Heinemann-Oberschule am Tirschenreuther Ring in Marienfelde wurde gelegt. Gerade noch rechtzeitig vor dem Lockdown kamen Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) und Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) nach Marienfelde, um diesen historischen Moment in strömendem Regen zu begehen.

Provisorium für die Ewigkeit. Einst sollte die Schule nur für eine kurze Zeit in das in zehn Monaten in Leichtbauweise errichtete Gebäude an der Waldsassener Straße ziehen, nachdem das eigentliche Schulgebäude 1988 wegen Asbests geschlossen worden war – so wie andere in den siebziger Jahren in West-Berlin errichtete Schulen auch. Zuvor war sie noch in Räumen der ehemaligen Pädagogischen Hochschule untergekommen. Aus der geplanten Übergangszeit wurden jedoch mehrere Jahrzehnte. Manche Provisorien scheinen eben für die Ewigkeit gemacht zu sein.

Gesundheit in Gefahr. Die Schule wurde damals wegen der Asbestbelastung von einem Tag auf den anderen geschlossen, wie der Tagesspiegel im Februar 1988 schrieb: “Die Schüler werden heute informiert, wo sie sich zum Unterricht an anderer Stelle einzufinden haben. Die gymnasiale Oberstufe hat bereits in einer anderen Schule ein Unterkommen gefunden.” Betroffen von Asbest war auch die Carl-Zeiss-Schule in Lichtenrade. Dass das Thema auch mehr als 30 Jahre später noch nicht abschließend erledigt ist, hätte man sich zu dem Zeitpunkt nicht vorstellen können. Der damalige Volksbildungsstadrat rechnete “mit Reparaturarbeiten an den beiden Schulen von mindestens einem Jahr Dauer”, hieß es im Tagesspiegel.

Die Kosten stiegen. Der Neubau wurde bereits für 2005 angemeldet. Aber die Planungen verzögerten sich immer wieder. Und während die Zeit ins Land ging, erhöhten sich auch die Kosten. Ursprünglich sollten sie bei 26 Millionen Euro liegen. Inzwischen werden sie mit 46,25 Millionen Euro beziffert. Der Schulbau ist damit das teuerste öffentliche Neubauprojekt des Bezirks. Er ist als sechszügige Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe und einem grundständigen Zug konzipiert, künftig sollen dort 1165 Schüler von 85 Lehrern unterrichtet werden. Die Bauarbeiten sollen 2023 abgeschlossen sein. Mit der Planung und Bauleitung wurde das Berliner Architekturbüro Kleyer, Koblitz, Letzel und Freivogel beauftragt. Der Bau zählt zu den ersten Schulbauten in Berlin, die nach dem „Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundes” zertifiziert werden sollen.

Sehr beliebt. Die Gustav-Heinemann-Oberschule zählt unter anderem wegen ihres besonderen Profils mit Japanisch-Unterricht ab der fünften Klasse zu den besonders nachgefragten Berliner Sekundarschulen. Die Schule war 1974 als Gesamtschule gegründet worden.

Prominente zu Besuch. 26 Jahre leitete Karl Pentzliehn die Schule, bis er 2008 in den Ruhestand ging. Er machte die Schule mit den sogenannten Schulklassengesprächen mit Prominenten über Berlin hinaus bekannt. Zu den Gesprächspartnern gehörten Bundeskanzler und Bundespräsidenten. Auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan diskutierte in Marienfelde mit Schülern. Und der derzeitige Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist ein Absolvent der Schule.
Foto: Promo