Namen & Neues

Online-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule: Gedenken an Samuel Paty und Corona-Alltag im Klassenzimmer

Veröffentlicht am 03.11.2020 von Sigrid Kneist

An der Tempelhofer Sekundarschule wird ganztags Maske getragen. Wie die Schüler damit zurechtkommen, verrät uns wieder Verwaltungsleiter Axel Jürs, der uns auch diese Woche Einblick in den Schulalltag gewährt. Aber die Woche begann mit einem anderen wichtigen Ereignis.

Zeichen zum Wochenbeginn. Auf der Website der Schule ist es schon seit einigen Tagen zu sehen: Die Stellungnahme „Nous sommes Prof!“ zur Ermordung des französischen Lehrers Samuel Paty. In seinem wöchentlichen Newsletter bat Schulleiter Engin Çatık deshalb die ganze Schulfamilie um Beteiligung an der vom französischen Bildungsminister Jean-Michel Blanquer gegenüber der bundesdeutschen Kultusministerkonferenz angeregten  Gedenkminute. Die Schule unterbrach deshalb den Alltag am Montag um 11.15 Uhr mit einer Gedenkminute der Stille, deren Bedeutung und Anlass in den vorangegangenen Unterrichtsstunden besprochen wurde. Die Beteiligung war freiwillig und groß. Die Europaflagge am Hauptgebäude war angebracht, leider etwas provisorisch statt formvollendet  „auf Halbmast“, denn die Fahnenmasten sind Sanierungsfälle.

Corona und kein Ende. In der ersten der nun stets donnerstäglichen  Besprechungsrunde zwischen Schulaufsicht, Gesundheitsamt und Schulleitenden wurden die ersten Farb-, eigentlich Präventions-Stufen-Zuordnungen der einzelnen Schulen zum entsprechenden Stufenplan der Senatsverwaltung getroffen. Wie einige andere Schulen auch, hatte die Johanna-Eck-Schule sich entschlossen, freiwillig von der untersten Warnstufe Gelb auf Orange zu „klettern“, was bedeutet, dass nun seit diesem Montag Masken bei uns auch im Unterricht getragen werden. Schulleiter  Çatık hatte schon zum Ende der Herbstferien in enger Abstimmung mit dem GEV-Vorsitzenden dafür geworben und Zustimmung signalisiert bekommen – ebenso wie in der Dienstbesprechung mit dem Kollegium am ersten Schultag und mit den Schulsprecher*innen danach. Die Schule setzt damit ihre Corona-Strategie der „transparenten Vorsicht“ fort, die bisher zu relativ wenigen Quarantänefällen führte.

Verantwortungsbewusste Jugendliche. Es zeigt sich, dass Schüler*innen oft reifer sind, als sie manchmal im Schulalltag oder in der Öffentlichkeit auftreten,  und ganz ohne viel Aufhebens Verantwortung füreinander übernehmen und mitziehen, wenn es auf sie ankommt. Die von manchen Erwachsenen befürchteten Unmutsäußerungen oder Disziplinprobleme bei der Durchsetzung der ganztägigen Maskenpflicht blieben von Schüler*innenseite überwiegend aus, mal abgesehen von einigen Hallodris, die jede sich bietende Gelegenheit  zum Frotzeln nutzen.

Maskenpflicht als Entlastung: Im Gegenteil sind manche Schüler*innen sogar ganz froh, dass sie nun in Einhaltung der allgemeinen Regel und gruppenkonform tun können, was sie individuell eigentlich schon vorher richtig fanden. Etwa der Schüler B. der „quasi immer schon“ – also: seit Beginn der Corona-Zeitrechnung seine Maske ständig trägt – und das ganz ohne Vorerkrankung oder Verpflichtung, sondern einfach um einen individuellen Beitrag zur Minderung von Ansteckungsrisiken für andere zu leisten.

Das gute Beispiel wirkt. Schülerin E. – aus einer anderen Klasse –  findet diese Haltung toll, als sie davon erfährt. Hätte sie es früher gewusst, hätte sie gleich mitgemacht. Sie findet die Beharrlichkeit, mit der er seine individuelle Entscheidung durchgezogen hat, inzwischen „krass mutig“ und „voll selbstbewusst“. Und sie schlägt einen inhaltlichen Bogen zur Namenspatronin unserer Schule, Johanna Eck: „Die fand das; was sie selbst – aber sonst nur ganz wenige –  für ihre Mitmenschen tat, auch  ganz selbstverständlich.“ Der Schüler B. ist eher introvertiert und  käme nie darauf, sich als Vorbild oder gar Held zu sehen. Kommentar einer Mitschülerin:  “B. mag das nämlich gar nicht, wenn er hervorgehoben wird.  Er ist zwar manchmal etwas uncool, aber er ist trotzdem ein echtes Vorbild – bloß würde er das nie zugeben.“

Die 32 vorangegangenen Folgen aus dem Online-Tagebuch können Sie hier nachlesen:  „Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen?“„Bleib sauber, Johanna!“, „So ergeht’s dem Schulleiter“„Schon wieder quadratische Funktionen“„Danke heißt auf Polnisch Dziękuję“„Vorbereitungen für die Rückkehr“„Es geht wieder los“ „Masken to go“„Alle wieder da“, „Der ungeliebte Brückentag“„Warum nicht auch am Samstag?“„Alle begannen, in fremden Sprachen zu reden“„Endlich mal wieder Spanisch und Französisch“, „Klassenfotomontage und Rechnen mit der Pandemie“„Zeugnisvergabe in Etappen“„Sommercamp statt Sommerschule“„Jetzt wird renoviert“ , „Nach allen Regeln“„Gute Planung muss sein“, „Noch sind die Handwerker im Haus“„Letzte Vorbereitung vor dem Schulstart“, „So war der erste Tag“„Die ersten Corona-Fälle“„Elternbegrüßung auf dem Schulhof“„Gedenktage, Gewalt und Demokratie“Gute Gastgeber, „Wochenend‘ und selbstgemachter Sonnenschein“, „‘Nachhaltigkeit‘ und andere Horizont-Kurse“, „Demokratie lernen, Europa leben“, „Erwischt in allen Variationen“Berlin statt BrandenburgPartnerschaften, Digitales, Kunst und Unterricht mit Maske.