Namen & Neues

Suchterkrankte kehren im Kurfürstenkiez

Veröffentlicht am 10.11.2020 von Judith Langowski

Die Bezirke Mitte und Tempelhof-Schöneberg teilen sich die Kurfürstenstraße (Nord: Mitte, Süd: Schöneberg). Damit teilen sie sich auch die Gegebenheiten dieses nicht immer einfachen Kiezes. Viele Menschen leiden an Suchtproblemen, die Nachbarschaft stört sich am Straßenstrich, der diesen Kiez prägt. Während Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel schonmal vorgeschlagen hat, einen Sperrbezirk gegen den Strich zu erlassen oder flotte Sprüche auf Mülleimer zu kleben, versuchen die Bezirke und der Senat mit Projekten das Miteinander zu verbessern.

Ende Oktober haben beide Bezirke gemeinsam die neueste Idee vorgestellt: die Fegeflotte. Auch sie soll das „Miteinander und die Lebensqualität rund um die Kurfürstenstraße“ verbessern. „Suchterkrankte oder von Suchterkrankungen bedrohte Menschen reinigen zweimal die Woche für sechs Stunden den Kiez von Kleinstmüll“, beschreibt das Bezirksamt das Projekt. Die Reinigungskräfte melden sich freiwillig. Meist werden sie durch die Tageswerkstatt oder ein Betreuungsangebot des Berliner Notdienstes auf das Projekt aufmerksam, schreibt das Bezirksamt auf Nachfrage. Sie bekommen pro Stunde eine Motivationsprämie von zwei Euro.

Das Projekt ist eingebettet in die Tageswerkstatt des Notdienstes Berlin, das Menschen mit Suchterkrankungen hilft. Aktuell seien etwa zehn Personen in der Fegeflotte, sagt Antje Matthiesen, Fachbereichsleiterin beim Notdienst. Das hänge aber auch von der Tagesform ab. Der Frauentreff Olga in der Kurfürstenstraße, ebenfalls Teil des Notdienstes Berlin, organisiert eigene Putzaktionen im Kiez.

Die „Fegeflotte“ wird als Teil der Maßnahmen des „Runden Tisches Sexarbeit“ des Senats bis mindestens Ende 2021 gefördert. Ebenfalls wurden zwei Eco-Toiletten aufgestellt und die Öffnungszeiten sowie das Streetwork des Frauentreffs Olga massiv ausgeweitet, so das Bezirksamt.