Namen & Neues

Zwiebeln in Orange: Das Corona-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule

Veröffentlicht am 10.11.2020 von Judith Langowski

Das ist kein Kochrezept, sondern an der Johanna ein „Corona-Fashionstyle“, erläutert Schüler P. seinem älteren Cousin, der ihn von der Schule abholt. „Wieso Zwiebel? Wieso in Orange?“ Die Warnstufe Orange für die Johanna-Eck-Schule wurde am letzten Donnerstag verlängert. „Wir sollen während der Corona-Warnstufe Orange im Unterricht ‚Zwiebelkleidung‘ tragen“, so die Antwort von P. „Also mehrere unterschiedlich dicke Kleidungsstücke übereinander, damit wir im Unterricht nicht schwitzen und draußen nicht frieren.“ Noch kann sich die Zahl der Zwiebelschichten in „milden“ Temperaturgrenzen halten, trotz Quer- und Stoßlüftung . „Und was ist mit Mützen?“, fragt der leidenschaftliche Käppi-Träger G. Er wird aber von seinem Lehrer, Herrn B., weiterhin abschlägig beschieden. Warum der auch drinnen oft eine Mütze trägt, kann Klassenkameradin Y. erklären: „Erstens steht sie ihm und zweitens braucht er die doch für seine Glatze.“

Corona-Schulung. Unter anderem Schulleiter Engin Çatık, sein Stellvertreter und die Naturwissenschafts-Lehrerin, Frau A., waren übrigens zu einer speziellen Schnelltest-Schulung, erfahren die Schüler*innen M. und H. eher zufällig auf dem Schulhof. Dass ihre Chemie-Lehrerin sich mit naturwissenschaftlichem Hintergrund der Pandemie auskennt, wundert sie nicht weiter. Aber warum der Schulleiter? Die Schüler*innen witzeln: „Und Herr Çatık: hatten Sie Ihr Handy auch ausgeschaltet in der Hosentasche?“ Der antwortet schlagfertig: „Jedenfalls wurde es mir nicht von der Dozentin abgenommen und meine Eltern mussten es nicht im Sekretariat abholen!“ Die Schülerin versteht den Hinweis bezüglich ihres im Sekretariat auf elterliche Abholung wartendes Mobiltelefon und bekommt schlagartig eine gesunde Gesichtsfarbe. „Bam!“ kommentiert ihre Freundin und grinst – ein klitzekleines bisschen schadenfroh.

Bedrückung um islamistische Anschläge. Nach den Ereignissen der letzten Wochen in Wien und Paris befürchten manche Schüler*innen negative Auswirkungen – und zwar in der Öffentlichkeit für sich selbst. In der S-Bahn oder in Gruppen auf öffentlichen Plätzen fühlen sie sich schon manchmal schief angeguckt, wenn gerade wieder ein Anschlag passiert und durch die Medien gegangen ist. Da kommt bei dem einen oder anderen fast schon nostalgische Erinnerung bezüglich altbekannter Gedankenlosigkeiten auf: Etwa an das vermeintliche ‚Kompliment‘, das mancher auf den Namen oder das Aussehen hin bekommt, man spreche aber gut Deutsch. Oder die schon deutlich nervigere Frage, woher man denn herkomme.

Schlagfertig geht immer. Die sehr freundliche Replik auf das ‚Kompliment‘ zur Sprachbegabung kann lauten: „Sie aber auch!“ Die nervige Frage, wo man herkomme, ließe sich beantworten mit dem Bezirk oder Ortsteil, in dem man geboren und/oder aufgewachsen ist: „Aus Lichtenrade. Oder meinten Sie: Woher ich jetzt gerade komme? Aus der Schule.“ Auf dem Hof empfiehlt Schüler M. seinem Kumpel: Wenn Dich jemand so ansieht, frag‘ einfach höflich: „Habe ich noch Honig vom Frühstück im Gesicht, dass Sie mich so komisch ansehen?!“ Da ‚freut‘ sich der Kumpel fast schon ein bisschen auf den nächsten schiefen Blick in der S-Bahn. Er hat allerdings gleich seine eigene Variante parat: „Aber ich mag keinen Honig, Mann! Ich mach das mit Marmelade, Alter!“ Nichts geht über Kreativität.

Die 33 vorangegangenen Folgen aus dem Online-Tagebuch können Sie hier nachlesen:  „Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen?“„Bleib sauber, Johanna!“, „So ergeht’s dem Schulleiter“„Schon wieder quadratische Funktionen“„Danke heißt auf Polnisch Dziękuję“„Vorbereitungen für die Rückkehr“„Es geht wieder los“ „Masken to go“„Alle wieder da“, „Der ungeliebte Brückentag“„Warum nicht auch am Samstag?“„Alle begannen, in fremden Sprachen zu reden“„Endlich mal wieder Spanisch und Französisch“, „Klassenfotomontage und Rechnen mit der Pandemie“„Zeugnisvergabe in Etappen“„Sommercamp statt Sommerschule“„Jetzt wird renoviert“ , „Nach allen Regeln“„Gute Planung muss sein“, „Noch sind die Handwerker im Haus“„Letzte Vorbereitung vor dem Schulstart“, „So war der erste Tag“„Die ersten Corona-Fälle“„Elternbegrüßung auf dem Schulhof“„Gedenktage, Gewalt und Demokratie“Gute Gastgeber, „Wochenend‘ und selbstgemachter Sonnenschein“, „‘Nachhaltigkeit‘ und andere Horizont-Kurse“, „Demokratie lernen, Europa leben“, „Erwischt in allen Variationen“Berlin statt BrandenburgPartnerschaften, Digitales, Kunst, Unterricht mit Maske und Gedenken an Samuel Paty.