Namen & Neues
Ein Platz für David Bowie? Initiative zum fünften Todestag
Veröffentlicht am 12.01.2021 von Sigrid Kneist

Kein internationaler Popkünstler wird so sehr mit Berlin – und mit Schöneberg im Besonderen – verbunden wie David Bowie. Am Sonntag jährte sich sein Todestag zum fünften Mal. Im Alter von 69 Jahren war der Ausnahmekünstler am 10. Januar 2016 in New York gestorben. Die Trauer in Berlin war groß. Zwischen 1976 und 1978 lebte Bowie gut anderthalb Jahre in Schöneberg in einer Wohnung in der Hauptstraße 155. In dieser Zeit entstanden die drei Alben „Low“, „Heroes“ und „Lodger“. Vor allem der Song „Heroes“ galt vielen als die Hymne für West-Berlin, die Mauerstadt.
Möglichkeiten der Erinnerung. An der Fassade seines einstigen Wohnhauses hängt bereits eine Gedenktafel. Trauernde Bowie-Fans überklebten 2016 ein Straßenschild der Hauptstraße mit der Inschrift „David-Bowie-Straße“. Fünf Jahre nach seinem Tod ist jetzt die Frist abgelaufen, die man laut Berliner Straßengesetz warten muss, bevor der Name eines Verstorbenen im Straßenbild gewürdigt werden kann. Und tatsächlich gibt es nun eine Initiative der bezirklichen CDU, dies zu tun. In der kommenden Woche soll in der BVV ein Antrag eingebracht werden: Das Bezirksamt soll prüfen, ob die Kreuzung Grunewaldstraße / Langenscheidtstraße / Hauptstraße nach ihm benannt werden kann. Als Alternative nennt die Unionsfraktion die Grünanlage neben der Bar Train. Zur Begründung heißt es: Die drei in der Stadt entstandenen Alben seien als „Berliner Trilogie“ in die Musikgeschichte eingegangen.
Schwierigkeiten bei Umbenennungen. Offenbar hat die CDU nach einem Platz gesucht, bei dem man nicht auf den Widerstand der Anwohner stößt. Damit wäre bei einer Umbenennung der Hauptstraße oder eines Abschnitts der Straße auf jeden Fall zu rechnen. Diese Erfahrung machte bereits die Grünen-Abgeordnete Catherina Pieroth. Sie wollte schon vor etwas mehr als drei Jahren wissen, wie die Anwohner auf die Idee einer David-Bowie-Straße reagieren. Wie stets bei geplanten Umbenennungen erfuhr sie bei der von ihr angeregten Diskussionsveranstaltung, dass die Meinungen dabei sehr auseinander gehen. Direkt Betroffene lehnen diese oft ab, da für sie damit beispielsweise Kosten und die Änderung von Dokumenten verbunden sind. „Andererseits gab es auch viel Zuspruch hinsichtlich der touristischen Attraktivität, die ein solcher Straßenname dem Kiez bringen würde“, sagte Pieroth damals.
Begeisterung, Zögern, Zurückhaltung. Die FDP-Fraktion in der BVV hingegen kann sich eine Umbenennung der Hauptstraße gut vorstellen. Die Fraktion sei einstimmig dafür, teilte mir Fraktionschef Reinhard Frede mit. Begründung: „Wir erinnern uns gerne an die Zeit, als Schöneberg Mittelpunkt der Popkultur war!“ Anders sieht es bei SPD und den Grünen in der BVV aus: Die Fraktionen haben sich mit dieser Frage noch nicht befasst. SPD-Fraktionschefin Marijke Höppner verweist darauf, dass nach der geltenden „Ausführungsvorschrift Benennung“ Straßen vorrangig nach Frauen benannt werden sollen. Diese sieht allerdings Ausnahmen vor, „wenn ein gesamtstädtisches Interesse beziehungsweise Hauptstadtbelange an der Benennung nach einer männlichen Person bestehen“. Auch die Grünen-Fraktion hat sich nach Angaben von Fraktionschef Rainer Penk mit einer möglichen David-Bowie-Straße bisher nicht befasst. Man werde sich damit „sicherlich in einer der nächsten Sitzungen“ befassen. Penk wies aber darauf hin, dass erste Diskussionen bereits auf unterschiedlichen Ebenen in der Partei und in Arbeitskreisen geführt worden seien.
Was halten Sie von einem David-Bowie-Platz in Schöneberg? Schreiben Sie mir auf sigrid.kneist@tagesspiegel.de
Wenn Sie dafür noch ein paar Anregungen brauchen, empfehle ich Ihnen dieses Interview, das mein Kollege Lars von Törne geführt hat. Noch mehr zu David Bowie in Schöneberg gibt es zum Beispiel hier und hier.
Foto: Thilo Rückeis
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