Namen & Neues

Online-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule: Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Veröffentlicht am 12.01.2021 von Sigrid Kneist

Für Schulen waren es  in der vergangenen Woche ziemliche Chaostage. Erst teilte der Senat am Mittwoch mit, sie würden stufenweise für den Präsenzunterricht geöffnet. Am späten Freitagnachmittag gab es das Kommando zurück. Wie wurde das Durcheinander an  der Tempelhofer Sekundarschule wahrgenommen? Verwaltungsleiter Axel Jürs lässt uns wieder am Schulalltag teilnehmen.

Hü und Hott. So nannte ein Elternteil die Entscheidungsvolten in Sachen Schulöffnung aus den letzten Tagen und steuerte noch einen Hinweis bei, der sich sowohl in seinem Beruf wie auch zu Hause in der Erziehung bewährt habe: „Setze um, was Du ankündigst! Und kündige nicht an, was Du nicht sicher umsetzen wirst.“ Für die Johanna-Eck-Schule nimmt vor allem Schulleiter Engin Çatik solche Unmutsäußerungen entgegen. Seine Erfahrung: Eltern und Schüler*innen wollen Entscheidungsverläufe nachvollziehen und verstehen können.

Zeit für Zitate.  Zu den häufig wechselnden Vorgaben fällt eine*r Kolleg*in ein: „Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel anders setzen. Aristoteles wäre baff, wie virtuos wir inzwischen im Segelsetzen geworden sind, um mit fast jedem Wind vorwärts zu kommen.“ Eine Mutter, die beruflich Gesellschaftswissenschaften unterrichtet, kennt den Adenauerschen Klassiker: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ Und sie weiß auch, wie dieser weitergeht: „Nichts hindert mich, weiser zu werden.“ Ein Schüler, weiß zwar nicht, dass er Otto Waalkes zitiert, tut‘s dennoch: „Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: ‚Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!‘ Und ich lächelte und war froh – und es kam schlimmer.“ Chaos findet ein Elternteil, der alle Rundschreiben der Senatsverwaltung aufmerksam liest, begrifflich übertrieben und sagt: „Manchmal wäre weniger mehr – und man fragt sich, ob nicht eine pandemiebegleitende ‚Rundschreiben-Eindämmungsverordnung‘ hilfreich wäre.“

Sarkasmus und Glaubwürdigkeit: Einer politikinteressierten Schülerin fällt Folgendes ein: „Nachdem ich die Erklärungen von Herrn Müller im Morgenmagazin kapiert hatte, warum Schulöffnungen abenteuerlich wären, konnte ich am nächsten Tag natürlich sofort verstehen, dass für uns stufenweise wieder Präsenz-Unterricht stattfinden soll. Schade, dass sie‘s schon wieder zurückgenommen haben: wir hätten doch als Lerngruppe eine WG gründen können, damit wir in einem Haushalt wohnen und beides zusammenpasst!“ Schulleiter Çatık beschreibt das Phänomen so: „Spätestens, wenn Jugendliche Entscheidungen von Erwachsenen vorwiegend sarkastisch kommentieren, weiß man als Pädagog*in, dass es ein Glaubwürdigkeitsproblem gibt.“

Die 41 vorangegangenen Folgen aus dem Online-Tagebuch können Sie hier nachlesen:  „Wie zum Kuckuck sind die ins Gebäude reingekommen?“„Bleib sauber, Johanna!“„So ergeht’s dem Schulleiter“„Schon wieder quadratische Funktionen“„Danke heißt auf Polnisch Dziękuję“„Vorbereitungen für die Rückkehr“„Es geht wieder los“ „Masken to go“„Alle wieder da“„Der ungeliebte Brückentag“„Warum nicht auch am Samstag?“„Alle begannen, in fremden Sprachen zu reden“„Endlich mal wieder Spanisch und Französisch“, „Klassenfotomontage und Rechnen mit der Pandemie“„Zeugnisvergabe in Etappen“„Sommercamp statt Sommerschule“„Jetzt wird renoviert“ , „Nach allen Regeln“„Gute Planung muss sein“, „Noch sind die Handwerker im Haus“„Letzte Vorbereitung vor dem Schulstart“„So war der erste Tag“„Die ersten Corona-Fälle“„Elternbegrüßung auf dem Schulhof“„Gedenktage, Gewalt und Demokratie“Gute Gastgeber, „Wochenend‘ und selbstgemachter Sonnenschein“„‘Nachhaltigkeit‘ und andere Horizont-Kurse“, „Demokratie lernen, Europa leben“„Erwischt in allen Variationen“Berlin statt BrandenburgPartnerschaften, Digitales, KunstUnterricht mit MaskeGedenken an Samuel PatyZwiebeln in OrangeVon Bielefeld bis Frankreich„Warum nicht auf Rot?“„Testweise Hybridlernen“„Lesefest mit Abstand“„Weihnachten und Lockdown ante portas“„In direktem Kontakt“ und „Von Hamburg nach Tempelhof“.