Namen & Neues

Gedenken: Ein Platz für Richard von Weizsäcker, ein Saal für Coco Schumann

Veröffentlicht am 19.01.2021 von Sigrid Kneist

Auf der Tagesordnung der BVV an diesem Mittwoch stehen verschiedene Anträge zu Ehrungen von bedeutenden Persönlichkeiten im Bezirk. Fünf Jahre nach seinem Tod soll, wie ich in der vergangenen Woche berichtet habe, laut einem CDU-Antrag David Bowie geehrt werden; mehr dazu lesen Sie in der Rubrik „Kultur“.  Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, der CDU und der FDP in der BVV haben sich zudem auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Ehrung des einstigen Bundespräsidenten und Regierenden Bürgermeisters  Richard von Weizsäcker und des Musikers Coco Schumann verständigt. Sie möchten mit zwei gemeinsamen Anträgen erreichen, dass zum einen der Kaiser-Wilhelm-Platz in Richard-von-Weizsäcker-Platz umbenannt wird; zudem soll ein Saal im Rathaus Schöneberg nach Coco Schumann benannt werden.

Initiative der Grünen. Der Ursprungsantrag für den Richard-von-Weizsäcker-Platz kam im vergangenen Jahr von der Grünen-Fraktion; die Union hatte sich hingegen zunächst nur dafür ausgesprochen, einen Saal im Rathaus nach ihm zu benennen. Sie konnte sich dann aber sehr gut mit dem Gedanken der Platzumbenennung anfreunden. Und auch die FDP schloss sich an. Der CDU-Politiker von Weizsäcker genoss als Bundespräsident parteiübergreifend vor allem nach seiner Rede zum 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung höchstes Ansehen.  Bevor er 1984 das höchste deutsche Amt bekleidete, war er von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin. Sein Amtssitz war das Rathaus Schöneberg.

Die ersten Auftritte in Schöneberg. Coco Schumann war ein Jazzmusiker und spielte bis 1943 in illegalen Swing-Clubs in Berlin. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er in dem Jahr verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Nach der Befreiung und dem Ende der Nazi-Herrschaft kehrte er nach Berlin zurück und wurde ein wichtiger Teil der hiesigen Jazzszene. Die Zeugnisse seines Lebens sind in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ im Rathaus Schöneberg zu sehen. Der Saal dieser Ausstellung, die das  Leben der aus dem Bezirks stammenden jüdischen und von den Nazis verfolgten, vertriebenen oder ermordeten  Menschen dokumentiert, soll künftig seinen Namen tragen. Schumann starb am 28. Januar 2018 in Berlin.

Wenige Frauen im Stadtbild. Noch ein weiterer Aspekt der Straßenbenennung wird die BVV beschäftigen. Die SPD hat nämlich eine Große Anfrage zum Thema gestellt, wie weit Frauen bei der Benennung von Straßen berücksichtigt sind. Denn da sind sie stark unterrepräsentiert. Ob über die Anträge und die Große Anfrage am Mittwoch aber überhaupt gesprochen wird, ist wegen der auf zwei Stunden befristeten Sitzungsdauer mehr als unsicher. Möglich ist, dass die Anträge sofort in die Ausschüsse verwiesen und die Anfrage schriftlich beantwortet wird.

Und was ist mit dem Kaiser? Die drei Fraktionen verweisen darauf, dass Wilhelm I. auch weiterhin prominent in der Stadt vertreten sein wird. So gibt es in Lankwitz eine Straße mit seinem Namen, und unübersehbar ist in der City-West die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.