Namen & Neues

Ein Platz für Charlotte Wolff: Aus zwei Anträgen in der BVV wird einer

Veröffentlicht am 16.02.2021 von Sigrid Kneist

Im neuen Stadtquartier an der Schöneberger Linse soll künftig ein Platz  durch die Bauarbeiten am Tempelhofer Weg/Ecke Gotenstraße entstehen. Er soll an die jüdische Ärztin und Sexualwissenschaftlerin Charlotte Wolff erinnern, fordern sowohl SPD, Grüne, CDU, FDP und Linke in einem gemeinsamen Antrag. Zunächst waren zwei Anträge eingebracht worden, einer von SPD, CDU, FDP und Linke, der andere von den Grünen.

Der jetzige Antrag wird damit begründet, dass dieser Platz unweit vom Bahnhof Südkreuz besonders geeignet seit, da dort der „Lebensort Vielfalt“ entstehe: ein Wohnprojekt für schwule Senioren, ältere lesbische Frauen, trans, inter und jüngere LSBTIQ-Menschen. Wolff war während der Nazizeit nach Großbritannien emigriert, engagierte sich ab den sechziger Jahren in der Schwulen- und Lesbenbewegung. Ihre Veröffentlichungen insbesondere über die weibliche Homosexualität gelten als Standardwerke der Sexualforschung. Auch eine Gedenktafel soll an Wolff erinnern.

SPD fordert mehr Frauennamen im Stadtbild. Die Sozialdemokraten haben zudem weitere Anträge zu diesem Thema eingebracht. Der Verbindungsweg zwischen Monumentenstraße und Geßlerstraße soll nach der Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Audre Lorde benannt werden, die Straße 229 in Mariendorf nach der Tänzerin Ingrid Raabe, ein Teilstück der Marienfelder Allee nach der Zahnärztin und Frauenrechtlerin Elvira Castner, eine Grünfläche am Innsbrucker Platz nach der Juristin Erna Proskauer sowie ein Platz an der Gleditschstraße nach der Historikerin Reingard Jäkl.

Übrigens: Der Tempelhofer Weg, der sich vom Sachsendamm zur Hedwig-Dohm-Straße erstreckt, wird vom 1. März auch einen neuen Namen erhalten. Er wird künftig Ella-Barowsky-Straße heißen. Ella Barowsky war eine FDP-Politikerin und von 1951 bis 1955 Bezirksbürgermeisterin Schöneberg, danach Finanzstadträtin in Wilmersdorf. Von 1964 bis 1975 war sie Direktorin des Lette-Vereins. Die Umbenennung geht auf einen BVV-Beschluss zurück. Die alten Straßenschilder werden für sechs Monate rot durchgestrichen, sollen aber zur Orientierung noch lesbar sein. Sie wurde möglich, da es im Bezirk noch einen weiteren Tempelhofer Weg gibt, der in Tempelhof von der Gottlieb-Dunckel-Straße nach Britz führt.

Die gesamte Tagesordnung der BVV finden Sie hier. Die Bezirksverordneten tagen an diesem Mittwoch (17. Februar, 17 Uhr) noch einmal in der Sporthalle am Sachsendamm 12. Getagt wird in zwei Blöcken à 90 Minuten. Die Voraussetzungen für eine digitale Sitzung, so wie sie eigentlich geplant war, konnten nicht mehr rechtzeitig geschaffen werden.