Namen & Neues

Brennglas Corona: Neues aus dem Online-Tagebuch der Johanna-Eck-Schule

Veröffentlicht am 02.03.2021 von Carlotta Cölln

In diesem Eintrag des Online-Tagebuchs der Johanna-Eck-Schule geht es um die vorsichtig erwartete Rückkehr von ersten Schüler:innen in die weiterführenden Schulen, sowie die Vorbereitung darauf – und auf die Herausforderung der Planung mit Wiederholer:innen für das nächste Schuljahr und Auswirkungen

Videokonferenzen und HomeLearning sind nach wie vor die beherrschende Realität des inzwischen schon eingeübten‚ corona-geprägten Schulalltags ohne Präsenz-Unterricht – mit allen vor- und nachteiligen Begleiterscheinungen. An manchen Stellen wirkt Corona mehr wie ein Brennglas, das gesellschaftliche Probleme eher beleuchtet und verstärkt als schafft. Manche Eltern scheinen über die Jahre teilweise verdrängt zu haben, dass ihnen das Grundgesetz das Vorrecht in der Erziehung ihrer Kinder zuschreibt. Einige von ihnen sind offenbar den vor Wahlen verstärkenden Einflüsterungen erlegen, dass nicht nur die Bildung, sondern auch die Erziehung ihrer Kinder staatlich Aufgabe sei: An der sie sich je nach persönlicher Tagesform und Lebensgefühl beteiligen können – oder eben auch nicht. Wer eigene Kinder in HomeLearning-Zeiten – und sonst?! –  bestenfalls sporadisch fragt, was für die Schule zu tun sei, oft ohne eine plausible Antwort zu erwarten, darf sich nicht wundern, wenn – nicht nur, aber besonders – in Zeiten des Distanzlernens Mindestvoraussetzungen unterschritten werden, die für akzeptable Zensuren, Zeugnisse oder gar Abschlüsse unabdingbar sind.

Abschlüsse in Corona-Zeiten sind ohnehin ein bisweilen heikles Thema: Die schriftlichen Prüfungen in den Hauptfächern wurden bereits frühzeitig von der Senatsverwaltung gestrichen, die Leistungsnachweise im Englischen umgesteuert auf Nachweise im Rahmen unterrichtlicher Leistungen. Übrig bleiben die Präsentationsprüfungen, auf die sich die Schüler:innen auch an der Johanna-Eck-Schule aktuell vorbereiten. So errechnet sich dann ein Durchschnitt, der für unterschiedliche Abschlüsse reicht: Für den Mittleren Schulabschluss (mit oder ohne Zugangsberechtigung zur einer gymnasialen Oberstufe, für die man sich dann an der jeweiligen Wunschschule bewerben kann) oder für die so bezeichnete erweiterte Berufsbildungsreife, die auch durchaus noch mehr Zukunftschancen bietet als manche Elternteile befürchten. Interessant und keine leichte Aufgabe wird dabei für manche Schüler:innen und ihre beratenden Erziehungsberechtigten bestimmt gerade in diesen Abschlussklassen die Knobelfrage: Wiederholen mit der vagen Option auf Verbesserungsmöglichkeit? Oder lieber mitnehmen, was unter den modifizierten Corona-Prüfungsbedingungen erreicht wurde und „mitgenommen“ werden kann? Diese vordergründige Entscheidungsfreiheit der Familien, deren Entscheidung von der jeweiligen Schulleitung nicht wie früher, „abgefangen“ werden kann, dürfte sich für nicht wenige eher erweisen als eine…

Qual der Wahl: Ein alleiniges Entscheidungsrecht hat seinen oberflächlichen Charme, wird aber von manchen Eltern auch als Last empfunden: Ist es nicht besser, wenn das die Lehrer:innen, bzw. Schulleitung unseres Kindes Experten – zwar mit elterlicher Mitwirkung, aber auch Vetorecht – entscheiden und dann auch Verantwortung dafür tragen, dass die so gemeinsam besprochene Entscheidung so umgesetzt wird, dass sie sich im Ergebnis als richtig erweisen kann? Die Johanna-Eck-Schule bekommt bereits erste Echos von Eltern, die sich mit dieser alleinigen Entscheidungs-Freiheit nicht wunschlos glücklich fühlen und heilfroh sind über die Beratung, die ihnen angeboten wird und jetzt schon wissen, dass sie der Empfehlung folgen werden, wie immer sie ausfallen mag. Die Johanna versucht deshalb aktuell, in einer ersten Abfrage zu ermitteln, wie groß das zu erwartende Aufkommen an Wiederholer:innen sein wird. Übrigens auch, weil Schulen lange vor dem Ablauf der Erklärungsfrist für die Eltern wissen – und übrigens melden müssen, wie viele Schüler:innen sie denn wohl im nächsten Schuljahr in welchen Jahrgangsstufen in welchen Fächern unterrichten müssen. Diese drollige „Randerscheinung“ des Schullebens nennt sich Schuljahresplanung.

Text: Axel Jürs, Verwaltungsleiter der Johanna-Eck-Schule.