Namen & Neues

Rabe, Castner, Proskauer: Diese Straßen sollen Frauen gewidmet werden

Veröffentlicht am 31.08.2021 von Judith Langowski

An mehreren Ecken im Bezirk können Sie bald Frauen begegnen, auf den Straßenschildern zumindest. In ihrer Sitzung am vergangenen Mittwoch beschloss die Bezirksverordnetenversammlung drei Anträge. Das Bezirksamt soll jeweils ersucht werden, folgende Straßen umzubenennen:

  • Die Straße 229 soll nach Ingrid Rabe benannt werden. Die Straße ist ein kleines Verbindungsstück zwischen Koppel- und Dardanellenweg in Mariendorf. Rabe (1916-2012) war Tänzerin und stellvertretende Balletmeisterin im Metropoltheater. Sie tanzte im Wintergarten und war Frontgirl in Filmen von Marika Rökk. Im zweiten Weltkrieg kam ihre Mutter ins KZ Ravensbrück, später setzten sich Mutter und Tochter gemeinsam für den Freundeskreis Ravensbrück ein, Ingrid Rabe erhielt das Bundesverdienstkreuz. Sie ging in Schulen und sprach über die NS-Zeit. Sie starb am 20. Juni 2012 und wurde auf dem Christus-Friedhof in Mariendorf beigesetzt. Mehr lesen Sie in diesem Nachruf: tagesspiegel.de
  • Die Straße 478 am Freizeitpark Marienfelde soll nach Elvira Castner benannt werden. Castner (1844 in Westpreußen – 1923 in Marienfelde) war Lehrerin, Zahnärztin und Frauenrechtlerin. Von 1876-1878 studierte sie in Baltimore, USA, Zahnheilkunde, da deutsche Universitäten zu diesem Zeitpunkt keine Frauen zuließen. Sie eröffnete eine eigene Praxis in Berlin. Sie gründete 1894 die erste Gartenbauschule für Frauen in der Fregestraße 40-41 in Friedenau, die 1899 nach Marienfelde auf ein größeres Gelände umsiedelte. Das Gelände lag zwischen der heutigen Beiß- und Emilienstraße. Jährlich 60-70 Frauen besuchten die Schule, zwischen 16 und 50 Jahren. Die Schule wurde 1922 geschlossen und die Gebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört.
  • Am Innsbrucker Platz soll die Grünfläche südlich der S-Bahn nach Erna Proskauer benannt werden. Proskauer (1903-2001) lebte in Schöneberg an der Bundesallee und war eine der ersten Juristinnen Deutschlands. Als Jüdin musste sie 1933 den Justizdienst verlassen und emigrierte über Paris nach Palästina. 1953 kehrte sie nach Berlin zurück und konnte nach jahrelangem Rechtsstreit um Wiederaufnahme in den Justizdienst erst wieder arbeiten. 1968 starb ihr Mann Max Proskauer, sie übernahm seine Kanzlei. 1995 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihre „Verdienste um die Berliner Justiz“.

Die Anträge wurden allesamt von der SPD-Fraktion eingeführt. Zwei weitere Umbenennungs-Anträge der Fraktion – eine Straße sollte den Namen der schwarzen Aktivistin Audre Lorde, eine andere den der Historikerin und Politikerin Reingard Jäkl tragen – wurden zurückgezogen. Nach Lorde soll bereits eine Straße in Kreuzberg benannt werden. Eine Straße für Jäkl hatte im Ausschuss keine Mehrheit bekommen.