Namen & Neues
Kein Platz für Lucie Leydicke
Veröffentlicht am 08.02.2022 von Sigrid Kneist
Die Fläche vor der Silas-Kirche an der Crellestraße in Schöneberg kann nicht nach der Wirtin der Traditionsgaststätte Leydicke benannt werden. So heißt es in einer Mitteilung zur Kenntnisnahme der für Straßen zuständigen Stadträtin Saskia Ellenbeck (Grüne). Dies ist aber nicht in der Person Lucie Leydicke begründet, sondern liegt an formalen Kriterien. „Bei der betreffenden Fläche handelt es sich um öffentlich gewidmetes Straßenland, welches Teil der Crellestraße ist. Es handelt sich demzufolge um eine bereits benannte Fläche“, schreibt Ellenbeck. Das Berliner Straßengesetz lasse eine Umbenennung nur in Ausnahmefällen zu, die hier aber allesamt nicht gegeben seien. Ein ähnliches Problem gab es vor Kurzem mit der Umbenennung der Grünanlage an der Apostel-Paulus-Straße. Diese wird inoffiziell Maikäferplatz genannt und sollte den Namen Mali-und-Igel-Platz erhalten, nach den Betreiberinnen einer berühmten Lesbenbar in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.
BVV-Beschluss. Die Bezirksverordneten hatten im September einen Antrag der Linken beschlossen, die im Jahr 1980 gestorbene legendäre Wirtin mit der Benennung eines Platzes zu ehren. Die Grünen lehnten den Antrag seinerzeit ab, da dem Antrag eine Biografie fehlte. Lediglich ein Nachruf in der Zeit sei angehängt gewesen. Das eigentliche Prozedere sei in der Regel, dass man den Antrag vertage und die Fraktion bitte, eine Biografie nachzureichen, sagt der Bezirksverordnete Bertram von Boxberg von den Grünen. Dies sei unterblieben, da eine Vertagung aufgrund der bevorstehenden Wahlen nicht möglich war. „Bei Benennungen sollte bedacht werden, dass sie 100 oder 150 Jahre Bestand haben. Ich finde es unverantwortlich und unprofessionell einfach mal so einen Antrag rauszuhauen ohne jede Information über die Namensgeberin“, sagte von Boxberg. An diesem Donnerstag wird über das Thema noch einmal im Ausschuss für Straßen und Verkehr diskutiert (17 Uhr, via Livestream, Infos)
- Der Nachruf in der Zeit – verfasst von Dieter Hildebrandt, nicht zu verwechseln mit dem bekannten Kabarettisten – liest sich übrigens recht vergnüglich: zeit.de
- Das Leydicke, das heute in der vierten Generation von Raimon Marquardt, dem Enkel Lucie Leydickes geführt wird, finden sie in der Mansteinstraße 4. Geöffnet donnerstags bis sonntags ab 18 Uhr.