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Marienfelde 1: Unternehmensinitiative möchte Deponiegas nutzen

Veröffentlicht am 19.04.2022 von Sigrid Kneist

Wenn man vom rund 77 Meter hohen „Alpengipfel“ im Freizeitpark Marienfelde den Rundumausblick genießt, kommt man kaum auf die Idee, auf einer ehemaligen Mülldeponie zu stehen. Die Natur hat sich das Areal in dem heutigen Naherholungsgebiet wieder zurückerobert. Aber wenn man sich dort umschaut, so entdeckt man eine eingezäunte Anlage mit einem grünen Containerbau. In diesem wird seit gut 20 Jahren Gas verbrannt. In der längst überwachsenen, einstigen Deponie entstehen auch mehr als 40 Jahre nach der Schließung noch Methangase. In den achtziger Jahren wurden sie abgeführt und bis 1995 in der benachbarten Schokoladenfabrik Stollwerck zur Erzeugung von Wärme eingesetzt. 2001 kam es jedoch auf dem Gelände zu Verpuffungen. Schon in den Jahren zuvor war wegen der austretenden Gase Grillen auf dem Areal streng verboten, vor dem Rauchen wurde gewarnt. Nach den Vorfällen 2001 wurde der Park aus Sicherheitsgründen zunächst geschlossen und erst 2006 wiedereröffnet. Das Gas wird nur noch aufgefangen und abgefackelt.

Gegen die Verschwendung. „Das können wir uns nicht mehr leisten, das Gas einfach zu verbrennen und diese Ressource nicht zu nutzen“, sagt Ulrich Misgeld, Vorsitzender des Unternehmensnetzwerks Motzener Straße, in dem sich viele vor allem der benachbarten kleineren und mittelständischen Firmen zusammengeschlossen haben. Gerade durch den Krieg in der Ukraine sei doch noch einmal besonders deutlich geworden, dass man in Deutschland keine Ressourcen verschwenden dürfe, nicht zuletzt, um unabhängiger zu werden von den Energielieferungen aus Russland. Ohnehin hat das Netzwerk starke energiepolitische Ambitionen. Das Ziel ist, bis 2050 ein Null-Emissionen-Industriegebiet zu werden. Infos dazu finden Sie hier: motzener-strasse.de

Bereits vorliegende Pläne. Die Idee, das Deponiegas für die Unternehmen des Netzwerks zu nutzen, ist nicht neu. Das Unternehmensnetzwerk arbeitet schon seit Jahren mit dem in Schöneberg ansässigen Energieeffizienz-Unternehmen Kofler Energies in Fragen der Energieeffizienz und Klimaschutz zusammen. Zu einer Standortkonferenz vor fünf Jahren entwickelte das Unternehmen bereits einen Plan, wie auch das Deponiegas in Marienfelde innerhalb eines Gesamtkonzeptes mit der Nutzung verschiedener Energiequellen wieder genutzt werden kann. Kunden sollen die Unternehmen im Industriegebiet sein. Angesichts der neuen Rahmenbedingungen wollen Misgeld und Rolf Naster von Kofler Energies erneut bei den Politikern – zunächst vor allem im Bezirk – für ihr Konzept werben. Auch die BSR und die Berliner Wasserbetriebe sollen einbezogen werden. „Es könnte ein Pilotprojekt, ein Leuchtturm werden“, sagt Naster.

Das ist unter anderem geplant. Entwickelt wurde ein Konzept mit der Nutzung des Deponiegases in Kraft-Wärme-Kopplung. 50 Prozent Erdgas oder Biomethan müsse beigemischt werden. Auf dem rund 14,5 Hektar großen Gelände des ehemaligen Klärwerks soll ein Verbundwärmenetz errichtet werden. Zusätzlich zur Wärme aus dem Blockheizkraftwerk soll auch die Wärme aus dem Abwasser der Anrainer genutzt werden, die auch in das Verbundnetz eingespeist werden kann. Zudem soll es dort Photovoltaikanlagen geben. Wie Naster sagt, hatte auch die BSR einmal ein Konzept für die Nutzung des Deponiegases vorgelegt, dies aber nicht weiter verfolgt. Zum BSR-Konzept habe keine Kraft-Wärme-Kopplung gehört und keine Abwasser- und Solarwärme. Zudem sei es auf einen einzelnen Endkunden zugeschnitten gewesen und nicht wie bei den Kofler-Plänen auf die Unternehmen des Netzwerks. Wie lange es allerdings Gas aus der Deponie geben wird, ist nicht klar. Als Nutzer für das bestehende Gebäude auf dem Klärwerksgelände stellen sich Misgeld und Naster beispielsweise ein ökologisches Bildungszentrum vor.

Für den östlichen Teil des Klärwerkgeländes hat der Bezirk Pläne: Dort soll der Ponyclub „Zu den flotten Hufen“ unterkommen. leute.tagesspiegel.de