Namen & Neues

Tempohomes als Notunterkunft für Geflüchtete

Veröffentlicht am 05.07.2022 von Sigrid Kneist

So ganz einfach ist die Sache mit den Tempohomes am Flughafen Tempelhof wieder einmal nicht. In der vergangenen Woche habe ich darüber geschrieben, dass die Senatsverwaltung für Integration die ersten Plätze dort vom 1. Juli an wieder belegen will. Aber noch stehen die Container komplett leer. Am heutigen Dienstag hat der Senat offiziell beschlossen, den Standort am Columbiadamm zu reaktivieren. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sei der Bedarf an Kapazitäten für die Unterbringung von Geflüchteten stark gestiegen. Lediglich als Notunterkunft und zur Abwendung von Obdachlosigkeit soll demnach der Abschnitt 1 zunächst mit 270 Plätzen belegt werden, insgesamt stehen für die Unterbringung 740 Plätze zur Verfügung, die anschließend abschnittsweise in Betrieb genommen werden.

Schlechte Verständigung mit dem Bezirk. Seit geraumer Zeit ist die Verständigung mit dem Bezirk über die Genehmigung der Tempohomes schwierig. Als in der vergangenen Woche die geplante schnelle Reaktivierung bekannt wurde, war dort die Verwunderung groß. Man sei darüber nicht informiert worden. Auf Landesebene stößt dieses wiederum auf Unverständnis: Der Bezirk sei bei allen Schritten eingebunden gewesen. Die Schwierigkeit: Die oberirdisch verlegten Wasserleitungen sind verkeimt. Die von Senatorin Katja Kipping (Linke)  am Montag geäußerte Idee, durch vorhandene Rohre kleinere Rohre zu legen und durch diese die Wasserzufuhr zu sichern, löste im Bezirk bei Gesundheitsstadtrat Oliver Schworck und der ebenfalls beteiligten Stadtentwicklungsstadträtin Angelika Schöttler (beide SPD) zunächst Verwunderung aus. Im Bezirksamt kannte man nur Pläne, die Wasserleitungen unterirdisch zu verlegen. Dazu habe es auch Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde gegeben, die durchaus konstruktiv gewesen seien. Denn auch die Bodenplatten des Vorfelds, auf dem die Tempohomes stehen, sind denkmalgeschützt.

Am Dienstag in der Senatspressekonferenz präzisierte Kipping die Rohr-in-Rohr-Idee und bezeichnete sie als Teil der unterirdischen Versorgung. „Das Gesundheitsamt hat klar gesagt, dass es einen Betrieb als reguläre Unterkunft nur genehmigt, wenn die Trinkwasserversorgung über unterirdische Leitungen erfolgt“, sagte Kipping.  Bei der Nutzung als Notunterkunft werde man Trinkwasser auf  anderem Weg bereitstellen. Gedacht ist, wie auch in der vergangenen Woche geschrieben, an eine Versorgung mit Trinkwasserflaschen. Bis Wasser aus der Leitung fließen wird und die Versorgung mit Frischwasser aus Behältern beendet werden kann, wird es wohl noch Monate dauern.

Um die Tempohomes am Columbiadamm wieder nutzen zu können, hat sich Kipping die Unterstützung des bekanntesten Krisenmanagers in der Stadt geholt: des einstigen Berliner Feuerwehrchefs und ehemaligen THW-Präsidenten Albrecht Broemme. Er kümmert sich zudem um die Koordination aller Unterkünfte.

  • Foto: Kitty Kleist-Heinrich