Kiezgespräch
Veröffentlicht am 06.03.2018 von Judith Langowski
Rückwärtsfahren verboten. Mit der Erklärung „die Berufsgenossenschaft untersagt das Rückwärtsfahren“, holt die Alba seit einigen Wochen die Wertstofftonnen in der Odenwaldstraße 20 in Friedenau nicht mehr ab. In diesem Gebiet in Friedenau wird seit anderthalb Jahren gebaut, Grund sind Entwässerungsarbeiten. Seit Anfang des Jahres ist nun ein Abschnitt der Odenwaldstraße nur von der Lefèvrestraße zu erreichen. Sowohl an der Kreuzung Odenwaldstraße/Lefèvrestraße als auch an der Blankenbergstraße ist kein Durchkommen. Einen Wendehammer gibt es nicht. „Ich würde da selber nie mit dem Müllwagen durchfahren“, gibt eine Anwohnerin zu. Sie hat dennoch kein Verständnis dafür, dass die Alba-Recyclingtonnen nicht abgeholt werden.
Denn die BSR schafft es weiterhin, ihre Bio- und Restmülltonnen zu entsorgen. Deren Fahrer ärgern sich nun darüber, dass ihre Tonnen nun zusätzlich mit dem Recyclingmüll gefüllt werden, sagt die Anwohnerin. Warum schafft der eine Müllwagen, was der andere nicht schafft?
Das liege an den verschiedenen Berufsgenossenschaften, so die Erklärung der Alba. Genauer: Die Fahrer dürfen das „nur in begrenzten Ausnahmefällen und nur zum Rangieren“, so ein Pressesprecher der Alba. Deshalb konnte der Müll seit dem 24. Januar nicht mehr abgeholt werden. Zwischen Blankenbergstraße und Lefèvrestraße sind laut Alba sieben Häuser der Odenwaldstraße davon betroffen und weitere fünf zwischen Blankenberg- und Büsigstraße. Doch die Anwohnerin berichtet von „übervollen“ Tonnen auch in anderen Teilen der Straße. Es gehe erst wieder weiter, wenn die Straßensperrungen aufgehoben sind, sagt Alba.
Doch die BSR widerspricht dieser Erklärung: „Die Unfallkasse macht die Vorschriften“, sagt Sabine Thümler, Pressesprecherin der BSR. Diese würden bundesweit gelten – und auch der BSR das Rückwärtsfahren „nur in Ausnahmefällen und nur mit Einweiser“ erlauben. Es gebe keine unterschiedlichen Vorgaben. Die BSR würde im Einzelfall entschieden, ob eine Straße wegen einer Baustelle oder eine Sackgasse rückwärts sicher passierbar sei, oder nicht. Wenn nicht, gebe es auch Fälle, bei denen BSR-Tonnen an die nächste Straßenecke oder einen anderen zugänglichen Ort gebracht werden müssen. „Wir sprechen das einzeln mit den Kunden ab“, sagt Thümler.
Während die BSR von der Hausverwaltung bzw. dem Hauseigentümer bezahlt wird, zahlt bei der Alba der grüne Punkt die Entsorgung. Die Alba muss den Müll nur vom Haus abholen, „wenn dies möglich ist“. Wenn nicht, sollen die Wertstofftonnen an Sammelplätzen zur Entsorgung bereitstehen, im Fall der Odenwaldstraße an die nächste Straßenkreuzung. Die Hausverwaltung kann keinen finanziellen Druck ausüben, denn sie zahlen nicht für die Entsorgung der Alba-Tonnen – deshalb fahren die Müllmänner auch nicht rückwärts. Die BSR schreibt ihre Rechnungen dagegen direkt an die Hausverwaltung. Und so geht die Gleichung auf.