Kiezgespräch

Veröffentlicht am 05.02.2019 von Sigrid Kneist

Der Franckepark mitten im Herzen Tempelhofs kommt nicht zur Ruhe. Dabei wäre das für das dort lebende Hirschrudel so bitter nötig. Vor allem für das männliche Tier: Der Hirsch trägt seit über einer Woche einen Strick in seinem Geweih mit sich herum, von dem man ihn noch nicht hat befreien können. Das Seil war an einem Gatter befestigt, an dem sich jemand unbefugt zu schaffen gemacht hatte. Das lose hängende Tau verhedderte sich in seinem Geweih. Dem Hirsch gehe es gut, versichert das Büro der zuständige Stadträtin Christiane Heiß (Grüne). Der Tierarzt schaue regelmäßig nach dem Tier. Man überlege jetzt, wie man den Strick entfernen könne, möglichst ohne den Hirsch betäuben zu müssen, so steht es auch auf Aushängen am Gehege. Aber dazu müsse sich die Hektik im und um den Park legen. Und die ist groß.

Das hängt natürlich mit dem Widerstand von Anwohnern gegen die Pläne der Stadträtin zusammen, die die Hirsche nach Brandenburg umsiedeln möchte, da sie im Tempelhofer Gehege nicht artgerecht gehalten werden können. Etliche von ihnen haben am Donnerstag bei einer Einwohnerversammlung im Rathaus Schöneberg zum Ausdruck gebracht, warum sie so sehr an dem Gehege hängen. Dringende Mahnungen, dass die Tiere in einem großen Naturpark viel besser aufgehoben seien als im Franckepark kamen von der Landesbeauftragten für Tierschutz, Diana Plange, und dem Marienfelder Naturranger, Björn Lindner.

Aber einige der vermeintlichen Tierliebhaber meinen, sich am Park nicht an die Regeln halten zu müssen, wenn sie ihre Lieblinge besuchen: Sie klettern über kleine Zäune, nehmen ihre Hunde direkt mit ans Gatter. Ein Besucher erzählt mir stolz, dass er die Hirsche gerne füttert. Auf meinen Einwand, dass man dies nicht solle, erwidert er nur, er wisse, was die Tiere bräuchten. Solches Verhalten scheint mir nicht zum Tierwohl beizutragen. Zumal man ja weiß, dass seit 2002 vier Hirsche durch menschliches Fehlverhalten ums Leben gekommen sind.

Die bezirkliche CDU hat sich in dieser Frage klar positioniert: „Kein Platz für Damwild? Nicht mit uns! Wir sind für den Verbleib der Tiere im Tempelhofer Franckepark. Die steht hinter allen Tempelhof-Schönebergern, die sich für den Verbleib aussprechen“, twitterte die Fraktion in der vergangenen Woche. Aber bisher kamen von ihr keine Vorschläge, wie man zumindest sicherstellen kann, dass den Tieren von Parkbesuchern keine Gefahr droht. Wenn nicht einmal das gewährleistet ist, wie der Vorfall von vor zehn Tagen zeigt, kann man kaum von artgerechter Haltung sprechen.

Ob dies wohl bei der nächsten Debatte zum Thema in der Bezirksverordnetenversammlung im Mittelpunkt stehen wird? Ich habe da so meine Zweifel.