Kiezgespräch

Veröffentlicht am 12.03.2019 von Sigrid Kneist

Das Bürgeramt im Rathaus Schöneberg ist seit Jahren schon für Menschen im Rollstuhl nicht, für Eltern mit einem Kinderwagen nur schwer zu erreichen. Der Treppenlift fiel 2016 komplett aus, seitdem ist vor sieben Stufen der Weg für manche mobilitätseingeschränkte Menschen zu Ende. Schon vor anderthalb Jahren habe ich über das Problem geschrieben.

„Sollte ein Behinderter über den Eingang am Standesamt in der Freiherr-vom-Stein-Straße den Bereich des Back Office’s des Bürgeramtes (Raum 114) erreichen, wird sein Anliegen hier entgegen genommen. Aufgrund der Verdichtung der Arbeitsplätze und der beengten Platzverhältnisse sowie der Arbeitsorganisation ist dieser Zugang jedoch als grundsätzlicher Zugang für Behinderte nicht geeignet“, hieß es damals beim Bezirksamt. Es verwies zudem auf mehr als 40 barrierefreie Bürgerämter im Land Berlin und riet damit vom Besuch der Behörde im so traditionsreichen Rathaus Schöneberg.

Wenn man als Vater oder Mutter mit dem Kinderwagen unterwegs ist, kann man auch nicht damit rechnen, dass einem von einem Mitarbeiter geholfen wird. Die dürfen nämlich eigentlich nicht mit anpacken, aus Versicherungsgründen. Da hat meine Kollegin Ronja Ringelstein, die am Montag mit ihrer kleinen Tochter im Rathaus war, richtig Glück gehabt. Eine freundliche Mitarbeiterin half ihr, mit dem Kinderwagen die sieben Stufen zu überwinden und ins Bürgeramt zu gelangen.

Wieder zu Hause angelangt, schrieb sie direkt an die Behindertenbeauftragte des Bezirks, um auf diesen unhaltbaren Zustand aufmerksam zu machen. Leider gab’s nur folgende automatische Antwort: „Auf Grund eines längerfristigen Personalausfalls in meiner Geschäftsstelle kann Ihre Nachricht leider nur verzögert bearbeitet werden. Die telefonsiche Erreichbarkeit während der Geschäftszeiten kann ebenfalls nur eingeschränkt sicher gestellt werden.“ Vom 11. bis 22. März sei das Büro der Beauftragten für Menschen mit Behinderung geschlossen.

In der vergangenen BVV im Februar haben CDU und FDP übrigens einen Antrag eingebracht, eine provisorische Rampe an der Treppe anbringen zu lassen, so lange der Aufzug nicht in Sicht sei. In der Antragsbegründung heißt es, dass bei einer Veranstaltung eine solche Rampe installiert worden sei, um einen nahezu barrierefreien Zugang zu ermöglichen: „Dies hat gezeigt, mit welchem geringen Aufwand der defekte Treppenlifter provisorisch ersetzt werden kann. Auch wenn die Rampe ein Grad zu steil ist, können Menschen im Rollstuhl mithilfe kleiner Unterstützung die Stufen leicht überwinden und zum Bürgeramt und den Sitzungsräumen gelangen.“ Der Antrag steht am Donnerstag im Ausschuss für Facility Management und Inklusionspolitik auf der Tagesordnung.

Der Aufzug war 2017 übrigens für das damals kommende, jetzt vergangene Jahr angekündigt worden, also für 2018. Gestern twittert der Grüne-Bezirksverordnete Ralf Kühne: „Noch in diesem Jahr soll gegenüber ein Aufzug gebaut werden. Der kann dann auch selbstständig und mit schwerem E-Rollstuhl benutzt werden.“ Nach Berliner Zeitrechnung heißt das wahrscheinlich frühestens 2020.

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