Kiezgespräch

Veröffentlicht am 03.03.2020 von Sigrid Kneist

Was passiert im Radverkehr? Das Foto von dem aufgepinselten schmalen Radweg an der Kreuzung Martin-Luther-Straße/Hohenstauffenstraße – von moderner Radinfrastruktur selbst nach jahrelangen Bauarbeiten keine Spur – in der vergangenen Woche hat etliche Leserreaktionen hervorgerufen. Ich danke allen, die mir geschrieben haben. Hier einige Ihrer Stellungnahmen:

Warum zwei Jahre Planung? Leserin Karin Heilmann schreibt: „Auch mich macht es immer wieder fassungslos, wie heute Straßen nach dem Abschluss von Bauarbeiten aussehen. Ich bin ganz klar der Meinung, dass das gezeigte Ergebnis überhaupt keine Verbesserung ist und daher lieber ein so unsinniges Projekt gestoppt werden sollte – jetzt packt die Straße erst mal keiner mehr an. Mir ist aber auch unverständlich, warum die Planung eines breiten Radwegs hier mehr als zwei Jahre dauern muss.  Die Vorgaben sind klar und wir können in Städten wie Kopenhagen sehen, dass standardisierte Radweganlagen auch schnell gebaut werden können.“ Ralf Lange aus Mariendorf ist ebenfalls ziemlich sauer: „Das, was da im Bereich Martin-Luther-Straße Ecke Hohenstaufenstraße abgelaufen ist zeigt doch mal die für Berlin typische, Arbeits- und Denkweise des Berliner Senates auf! Niemand redet bzw. kommuniziert miteinander, egal auf welcher Ebene und es wird nur bis zum Ende der Legislaturperiode gedacht!“

Wo bleiben die Radwege? Diese Frage stellt enttäuscht Leserin Astrid von Cosel: „Trotz der 24- stündigen starken Befahrenheit der großen Schöneberger Transversalen, wie der Berliner/Grunewaldstraße, der Potsdamer/Hauptstraße und der Martin-Luther-Straße haben sie keine Radwege. Die häufig zugeparkten Busspuren nötigen dagegen, sich durch Ausscheren in  den fließenden Verkehr zusätzlich zu gefährden. Ich werde als Radfahrerin täglich mehrmals von rücksichtslosen und gedankenlosen Auto-und Lkw-Fahrern mit dem Tod bedroht. Wie ist es verantwortbar, dass trotz der vielen Toten allein in den wenigen Wochen des neuen Jahres, diese schwerwiegenden Bedrohungslagen nicht sofort in Angriff genommen  werden?“ Wolfgang Ewert lebt in Tempelhof und ist bei den Grünen in Neukölln aktiv. Er zeigte sich „erschrocken, dass auf der Germaniastraße umfangreich gebaut wurde und der Fahrradweg nach Abschluss der Arbeiten genauso schmal ist wie vorher. Neben dem mangelhaften Ergebnis entstehen natürlich auch Kosten, wenn die Straße dann in ein paar Jahren erneut umgebaut werden muss.“

Schnell mit Abstrichen bauen oder streng nach dem Mobilitätsgesetz? Im Raum stand die Frage, ob man alte Planungen, die sich noch nicht nach dem Mobilitätsgesetz mit strengeren Kriterien richten, noch umsetzen kann oder ob neu geplant werden muss, was aber länger dauert. „Was das Mobilitätsgesetz betrifft, halte ich es mit dem Fachverband Fuss e.V., der sagt „lieber bald als perfekt“ – gerade nach der bisherigen sehr zögerlichen Umsetzung bei der sogenannten Verkehrswende“, schreibt Seniorenvertreter Wolfgang Pohl. Wenn man alle Planungen stoppe, kämen leicht zwei bis drei Jahre Verzögerung zusammen. Er gibt aber zu bedenken: „Wenn man die Verwaltung für offensichtliche Widersprüche zum Mobilitätsgesetz sensibilisiert, sollte es durchaus möglich sein, gravierende Umsetzungsfehler wie in der Martin-Luther-Straße zu vermeiden und dafür dennoch lediglich ein oder zwei Monate zu benötigen. Vielfach erscheint es so, als ob da der alte Geist noch tief in der Behördenkleidung nistet und der Wind of Change das Haus noch nicht durchlüftet hat. Vielen guten Absichtserklärungen zum Trotz.“