Kiezgespräch

Veröffentlicht am 30.06.2020 von Sigrid Kneist

Zwerg sucht seinen Platz. Dieser Zwerg ist beileibe kein Gartenzwerg. Er hält zwar in der einen Hand eine große Sommerblume, in der anderen aber einen Koffer, wie Sie hier sehen können. Der Bronzezwerg ist klein, knapp 30 Zentimeter hoch, wiegt fünf bis sechs Kilo. Er steht derzeit im Büro des Kulturstadtrats Matthias Steuckardt (CDU) im Rathaus Tempelhof.

Wie kam er dorthin? Die Figur ist ein Geschenk der polnischen Stadt Wroclaw (Breslau) an den Senat. Sie geht zurück auf die Oppositionsbewegung „Orange Alternative“, die in den 1980er Jahren mit spontanen Aktionen Kritik an der kommunistischen Diktatur Polens zum Ausdruck brachte und in der Altstadt Breslaus damals einen gusseisernen Zwerg, den Papa Zwerg, aufstellte. Inzwischen gelten die Breslauer Zwerge als Touristenattraktion. Dort gibt es mittlerweile weit über 600 Zwerge im Stadtbild. Auch Dresden hat – als offizielle Partnerstadt Breslaus – bereits zwei aufgestellt.

Wohin mit dem Wicht? Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte anscheinend keine rechte Idee. Dann entsann man sich in seinem Haus, dass es in Friedenau einen Breslauer Platz gibt, würde das nicht passen? So kam der Zwerg zunächst zu der für Plätze zuständigen Stadträtin Christiane Heiß (Grüne). Die wiederum reichte ihn weiter an ihren Kollegen Steuckardt, der den Zwerg im Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung vorstellen sollte.

Kurze Beine, kurze Strecke. Der Breslauer Zwerg wurde übrigens bereits im August 2019 dem Senat übergeben; im Bezirk kam er erst im März an. „So ein Zwerg hat kurze Beine, da dauert der Weg von Mitte nach Tempelhof-Schöneberg eben etwas länger“, kommentiert Steuckardt. Vor zwei Wochen beschloss die BVV, dass für den kleinen Mann ein Plätzchen auf dem Breslauer Platz gesucht werden soll, „um mit dieser Geste die guten Beziehungen Berlins zu der polnischen Stadt Wroclaw zu stärken“.

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