Kiezgespräch

Veröffentlicht am 02.02.2021 von Sigrid Kneist

Ja, wo bleiben sie denn? Einer der arbeitsintensivsten Jobs, der für Gremiensitzungen zu vergeben ist, ist die Aufgabe des Protokollschreibers oder der Schriftführerin. Wer  diese Pflicht jemals für lange Beratungen oder Gesprächssrunden übernommen hat, weiß, wovon ich rede. Die einen versuchen, so genau wie möglich jedes einzelne Wort zu dokumentieren, andere setzen eher darauf, die große Linie zu erfassen.

Unterschied zwischen einer Journalistin und einem Protokollführer. Zwischen beiden Varianten muss ich mich auch immer entscheiden, wenn ich eine Bezirksverordnetenversammlung oder einen Ausschuss besuche. Aber ich als Journalistin habe einen großen Vorteil: Ich kann auch mal entscheiden, gar nichts aufzuschreiben, wenn ich die Diskussion zu belanglos oder das Thema zu uninteressant finde. Dann lesen Sie über diese Sitzung eben nichts. Ein Protokollführer aber kann sich die Sache nicht so einfach machen. Bei einem Ausschuss haben die Niederschriften auch einen dokumentarischen Zweck, um etwa darzulegen, wie welche Entscheidungen zustand egekommen sind.

Auf der Suche. Vor gut einem Jahr hat die Grüne Astrid Bialluch-Liu die Leitung des Sportausschusses übernommen. Als sie die Unterlagen sichtete, stellte sie fest, dass seit 2017 ungefähr 18 Protokolle fehlten. Wo waren sie abgeblieben? Nie geschrieben worden? Im BVV-Büro irgendwo untergebuddelt? Der für die Niederschriften zuständige Bezirskverordnete Kevin Kühnert – neben der Bezirkspolitik auch Bundesvizevorsitzender der SPD – konnte ihr da noch nicht weiterhelfen. Die Sportpolitiker der bezirklichen Sozialdemokraten sind jetzt auf der Suche. Vielleicht haben sie die Schriften ja bis zur nächsten Woche gefunden; dann tagt wieder der Sportausschuss. Und ein neues Protokoll wird fällig.