Kiezgespräch

Veröffentlicht am 23.03.2021 von Sigrid Kneist

Wo man wie kann – oder auch nicht. Sie erinnern sich an die Geschichte mit den einsehbaren Pinkelbecken bei der neuen Toilettenanlage am Hans-Rosenthal-Platz. Die liegt zwar schon in Wilmersdorf, aber von Schöneberg aus hat man den besten Einblick. Anwohnerinnen und Anwohner kritisierten dies vor allem auch, weil das von der Firma Wall betriebene Klohäuschen direkt neben einem Kinderspielplatz steht. An diesen Anlagen gibt’s stadtweit Kritik.

Ob am Leopoldplatz in Wedding, ob in Spandau oder in Pankow. Wie kann man sich so eine Konstruktion ausdenken, bei der Privatsphäre beim Wasserlassen Fehlanzeige ist, denken sich viele. Das könne doch nur ein Planungsfehler sein. Ist es aber mitnichten, wie mein Kollege André Görke vom Spandau-Leute-Newsletter schreibt. Er zitiert aus einer Mitteilung der zuständigen Senatsverwaltung von Regine Günther (Grüne): „Die gewählte Breite des Sichtschutzes ist ein Kompromiss. Die Nutzer der Pissoirs können nur von hinten gesehen werden. Und es wird kein Anreiz zur Zweckentfremdung des Pissoirs geschaffen. Aus diesen Gründen ist keine Änderung des Sichtschutzes geplant.“

Eine Lösung. In Wedding stand die Toilettenanlage direkt vor dem Fenster eines Cafés; bei einem Tässchen Kaffee ließen sich die Pinkler bestens beobachten. Aber wer will das schon? Dort hat man eine ziemlich elegante Lösung für einen zusätzlichen Sichtschutz gefunden, wie Sie hier sehen können.

Öffentlich zugängliche Toiletten fehlen. Seit Cafés und Restaurants geschlossen sind, gibt es immer weniger Möglichkeiten in der Stadt, eine Toilette aufzusuchen. Gerade für ältere Menschen ist das oft ein Problem, auf das die Seniorenvertretung des Bezirks immer wieder hinweist. „Geschlossene, sonst öffentlich zugängliche Toiletten sind eins der Probleme, die in der Pandemie weitgehend ungelöst sind. Selbst die öffentlichen Toiletten in den Rathäusern gehörten zu den ersten Örtlichkeiten, die sich den Menschen verschlossen haben“, schreibt Wolfgang Pohl, der sich für die Belange älterer Menschen im Bezirk engagiert. Auch Toiletten von anderen öffentlichen Einrichtungen wie den Bibliotheken und Seniorenfreizeitstätten seien mit Verweis auf die Infektionsverordnungen abgeriegelt worden. „Für Seniorinnen und Senioren ist das besonders misslich, egal ob der Grund die schwache Blase oder medikamentöse Nebenwirkungen sind. Mobilität und Bewegung entsteht für ältere Menschen dort, wo es eine Sitzbank und eine Toilette gibt. Mit dem Fehlen der Toilette wird ihr Bewegungsradius erheblich minimiert“, schreibt Pohl.

Ärgernis Wildpinkeln. Dieses Problem gibt’s vielerorts. Um dem zu begegnen, wurde jetzt auf dem Spielplatz an der Ecke Eisenacher- und Fuggerstraße mitten im Schöneberger Regenbogenkiez eine sogenannte Eco-Toilette aufgestellt. Diese benötigt keine Wasserzugänge. In einer Pilotprojektphase sollen jetzt bis zum 15. Oktober 2021 versuchsweise Erfahrungen mit der Toilette an dem Standort gesammelt werden. Geschaut wird beispielsweise, ob das Toilettenhäuschen als Rückzugsort zum Drogenkonsum genutzt wird. Eine Toilette dieser Art steht bereits in der Kurfürstenstraße. berlin.de