Kiezgespräch

Veröffentlicht am 10.08.2021 von Sigrid Kneist

Flexibel, freundlich, schnell. Diese Adjektive werden normalerweise nicht genannt, wenn es um die Bürgerämter geht. Dort einen Termin zu bekommen, ist in der Regel eine Sache der Geduld, des Glücks, der Gunst der Stunde. Ich kenne das auch. Vor einigen Wochen habe ich bei meinem ersten Versuch, einen Termin zur Verlängerung des Reisepasses zu bekommen, ein wenig gezögert. Online war ein Zeitfenster Mitte September im Rathaus Yorckstraße in Kreuzberg verfügbar. Ich habe nicht sofort zugegriffen, weil ich dachte, es findet sich etwas Besseres. Einige Minute später hatte ich es mir anders überlegt; aber da war der Termin natürlich längst weg. Seitdem habe ich es wochentags mehrmals täglich versucht, und nie wieder tat sich auch nur irgendein freier Moment auf, nicht einmal in Spandau oder Marzahn-Hellersdorf. Bis gerade eben. Ein einziges Angebot ploppte auf. Raten Sie mal, wann und wo? Genau: Mitte September, Rathaus Yorckstraße in Kreuzberg.

Glück über die 115. Online hatte Newsletter-Leserin Saskia Solar zunächst ebenfalls kein Glück, einen Termin zu erhalten. Sie brauchte einen Reisepass und einen Personalausweis für ihre Tochter. Sie versuchte es dann über die Bürgernummer 115, hing eine Viertelstunde in der Warteschleife. Dort gelangte sie an einen „supernetten Herrn“, der einen Termin hier im Bezirk  in zehn Tagen anbieten konnte. Zum Abschluss des Gesprächs fiel ihr ein, dass auch ihr Reisepass bald ablaufen werde. Der freundliche Mitarbeiter, hatte den Tipp parat, die Kollegen im Amt zu bitten, ob sie dies miterledigen könnten, sonst hätte sie noch einen weiteren Termin vereinbaren müssen.

Wie lief’s?  „Gesagt, getan. Heute also Termin im BA mit super entspannten, freundlichen Sachbearbeitern, die sowohl meiner Tochter als auch mir alle Unterlagen erneuert haben. Ohne Murren, ohne Meckern, ohne Augenrollen. Ganz untypisch Berlin (kann ich als gebürtige Charlottenburgerin beurteilen)“, schrieb die Leserin in der vergangenen Woche.