Kiezgespräch
Veröffentlicht am 31.05.2022 von Sigrid Kneist
Unangenehme Behördenpost. Manchmal kann man bei einem Brief vom Amt schon arg ins Staunen kommen. Der Friedenauer Autor und Journalist Christian Walther („Des Kaisers Nachmieter“) erhielt ein Schreiben vom Amt für Bürgerdienste. Darin stand, dass Hinweise vorlägen, nach denen er aus seiner Wohnung ausgezogen sein soll, ohne sich ab- oder umgemeldet zu haben. Woran macht das Amt seine Vermutung fest? Die Unterlagen zur Seniorenwahl hätten nicht zugestellt werden können.
Erstaunen beim Adressaten. Das wiederum wundert Walther: Denn er wohnt seit vielen Jahren dort, hat seine Wohnung mitnichten verlassen, und seine Frau erhielt die Unterlagen problemlos. Das Amt forderte ihn auf, Auskunft darüber zu geben, ob oder dass er noch an seiner alten Adresse wohnt. Falls er nicht antworte, könne dies zu einer „Abmeldung von Amts wegen“ führen. Der so Angeschriebene fand den Ton ganz und gar nicht angemessen. Schließlich hat er ja auch keinen Fehler gemacht. Er schrieb an den zuständigen Stadtrat Matthias Steuckardt (CDU).Warum die Unterlagen als nicht zustellbar zurück ins Amt kamen, weiß am ehesten der Zusteller. Wahrscheinlich war es ein Versehen, vielleicht aber auch Lustlosigkeit. Wer weiß das schon.
Auch ich fragte bei Steuckardt nach. Seine Antwort: Er bedaure, wenn das berlinweit verwendete Behördenschreiben bei dem Empfänger für Irritationen gesorgt habe. Dieses fasse „die relevanten Informationen und rechtlichen Hintergründe möglichst kompakt“ zusammen. Aber er verwies auch auf Pannen zur Seniorenwahl: In einem Nachbarbezirk habe „die Zustellung an eine bereits seit mehreren Jahren verstorbene Person … berlinweite Aufmerksamkeit“ ausgelöst. Und dies zeige doch, dass es wichtig und Ausdruck einer gut funktionierenden Verwaltung sei, Hinweisen auf möglicherweise fehlerhafte Eintragungen nachzugehen.
Da mag ja durchaus etwas dran sein. Wir alle würden uns sehr über eine gut funktionierende Verwaltung freuen. Aber in der Tat war auch die Vorbereitung der Seniorenwahl stellenweise chaotisch. So wurden in unserem Bezirk beispielsweise einige Schreiben mit falschen Geburtsdaten verschickt. Das lag aber nicht an unkorrekten Angaben der Betroffenen oder veralteten Meldedaten, sondern an einer EDV-Panne. Für den Empfänger des jetzigen Briefes war es deshalb ein rüdes Schreiben mit dem Unterton einer Unterstellung von Amts wegen. Nach einem Fehler, den nicht er zu verantworten hatte. Wie sagt man so schön: Der Ton macht die Musik.