Nachbarschaft

Veröffentlicht am 09.04.2019 von Sigrid Kneist

„Nur-Mut!“, das Projekt Bürger*innenräte Friedenau.

Was wollen wir? „Wir müssen etwas für unsere Demokratie und für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt tun!“, darüber waren wir uns im Freundeskreis vor drei Jahren einig. Damals zeigte sich, wie verletzlich unsere so sicher geglaubte Demokratie ist. „Als Einzelner kann man ja doch nichts machen!“ war ein oft gehörter Spruch. Das fanden wir fünf gar nicht und gründeten die Gruppe „Nur-Mut!“. Wir suchten nach einer einfachen, wirkungsvollen Möglichkeit für Bürgerbeteiligung und fanden das bewährte Modell „Bürger*innenräte“.

Wie funktionert das Projekt? Es ist ein Beteiligungsverfahren, das auf Kooperation setzt. Die Bürger*innen haben hier die Möglichkeit, mit ihren Ideen und Vorschlägen Politik und Verwaltung zu beraten. Ein Bürger*innenrat besteht aus 12 bis 15 nach dem Zufallsprinzip aus dem Melderegister ausgewählten Bürger*innen, die ein Wochenende lang unter professioneller Anleitung Lösungsvorschläge zu einer vorher festgelegte Fragestellung erarbeiten. Diese Vorschläge werden dann der Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung vorgestellt, die sich vorher verpflichten müssen, die Vorschläge zu prüfen und nach Möglichkeit umzusetzen.

Was machen wir? Wir begannen, Friedenauer Bürger*innen über dieses Mitwirkungsmodell zu informieren. Und stießen auf großes Interesse. Daraufhin gingen wir zu den regierenden Parteien in unserem Bezirk. Und fanden auch dort offene Ohren. Inzwischen gibt es eine „Projektgruppe Bürger*innenräte Friedenau“, der die Bürgermeisterin, Angelika Schöttler, weitere Politiker, Vertreter der Verwaltung und „NUR-MUT!“ angehören. Dort geht es darum, zunächst in Friedenau – später im ganzen Bezirk – Bürger*innenräte zu realisieren.

Um welche Themen geht’s? Die Wohn- und Verkehrssituation und das Zusammenleben im Kiez – so haben wir erfahren – sind Themen, die den Friedenauern auf den Nägeln brennen. Sie kämen für einen ersten Bürger*innenrat in Frage. Im Januar haben wir – inzwischen sind wir sechs – einen Freundes- und Unterstützerkreis gegründet, der etwa 80 Bürger*innen zählt und per Mail über den aktuellen Stand des Projekts informiert wird. Am 11. April wird er sich im Nachbarschaftshaus Friedenau zum ersten Mal treffen, um mit „Nur-Mut!“ über weitere Themen für einen ersten Bürger*innenrat zu beraten und Ideen zu entwickeln, wie möglichst viele unterschiedliche Bürger von dem Projekt erfahren können.

Termin: Donnerstag, 11. April, 19 Uhr, Nachbarschaftshaus Friedenau, Holsteinische Straße 30. Kontakt : info@nur-mut.org

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-s.kneist@tagesspiegel.de

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